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Geistliche Heimat im Bayerischen Wald 100 Jahre Martin Luther Kirche in Spiegelau.
"Geistliche Heimat im Bayerischen Wald" fester Einband,
über 80 Seiten und über 80 teils farbige Abbildungen. ISBN 978-3-940413-02-4 Preis 14,90 EUR zzgl. Porto. Erhältlich beim Pfarramt Grafenau,
Hochstraße 2, 94481 Grafenau, Tel. 08552-1385, Fax 08552-920308, per email und im Buchhandel. Es ist auf Anfrage möglich, einzelne Exemplare zu
personalisieren. D.h. wenn Sie beispielsweise in der
Martin-Luther-Kirche in Spiegelau geheiratet haben und davon Fotos
existieren, lässt sich ein Band herstellen, in dem Ihre Hochzeit als
eigener bebilderter Bericht mit eingebunden ist. Außerdem lassen sich
spezielle Titelseiten mit Widmung herstellen. Wenn sie Interesse haben,
fragen Sie beim Pfarramt oder direkt beim Autor an.
Über den Inhalt:
Der große Holzreichtum, die Wasserkraft in der Steinklamm
und die 1890 erbaute Eisenbahn ziehen Unternehmer aus Sachsen und
Franken in das kleine Spiegelau.
Die “Petzold-Fabrik”
Die
beiden wichtigsten Unternehmen dieser Zeit sind das Sägewerk und die
Holzfabrik Ernst Petzold jun. und die Holzstoff- und Pappenfabrik
Wildberger im Besitz der Spedition Militzer & Münch.
Treibende Kraft beim Kirchenbau ist der Geschäftsführer der Holzstoff-
und Pappenfabrik Wildberger, Jean Emil Porst. Er wird dabei in jeder
Hinsicht vom Eigentümer der “Petzold-Fabrik” Ernst Petzold unterstützt.
Die beiden sind aber nicht nur Geschäftsfreunde, sondern auch
verschwägert. Praktisch alle leitenden Angestellten der beiden Firmen sind evangelisch. Dazu kommen noch die
evangelischen Forstbediensteten. Um
“das religiöse Leben der evangelischen Gemeinde Spiegelau zu fördern”
wird der “Evangelische Verein Spiegelau” gegründet. 19
“Familienvorstände” mit insgesamt 34 Personen gehören dem Verein bei
der Gründung am 2. August 1900 an. Dazu zählt interessanterweise auch
der protestantische Besitzer der Glasfabrik in Riedlhütte, Arthur
Roscher.
Das große Engagement der Spiegelauer Protestanten stieß allerdings
nicht überall auf Gegenliebe. Viele Widerstände mussten überwunden
werden, bis das kleine Kirchlein seinem Zweck übergeben werden konnte.
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Die Martin-Luther-Kirche in Spiegelau kurz vor der Einweihung 1901.
In
dem reich illustrierten Band wird von den Anfängen bis zum heutigen Tag
wird die 100-jährige Geschichte der Martin-Luther-Kirche dargestellt.
Gleichzeitig kann man eine Menge über die Industriegeschichte
Spiegelaus erfahren. Über 80 Dokumente und Abbildungen lassen die
vergangene Zeit wieder lebendig werden.
1916/17 wird die katholische Pfarrkirche erbaut. Hier ein seltenes Bild. Beide Spiegelauer Kirchen direkt nebeneinander.
Man
erfährt, wie der Evangelische Verein endlich zu einem geeigneten
Grundstück kam und wer es stiftete. Wer zur Einweihungsfeier kam und
wer nicht. Wie der erste Pfarrer versuchte, Jean Emil Porst vom
Vorstandsposten des Evangelischen Vereins zu vertreiben.Und vieles mehr.
Das Buch in der “Bildschirm-Version”
Eine
Version des gesamten Buches mit Abbildungen und Anhang für “Acrobat
Reader” können Sie sich auf Ihren Rechner herunter laden und dann am
eigenen PC oder Laptop in Ruhe anschauen. Dabei werden Sie von zwei
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Geistliche Heimat im Bayerischen Wald.pdf
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Zeittafel - Chronologie der Ereignisse Volltextsuche über die Suchfunktion Ihres Browsers.
1. Januar 1889 In Zwiesel wird eine Reisepredigerstelle eingerichtet. Auch Spiegelau wird nun wie Grafenau von Zwiesel aus betreut.
1900 28.1.1900
Mit Gott - Protokolle der Vereinssitzungen
Protokoll der Gründungsversammlung Aus der deutschen Schrift übertragen: “I. Versammlung.
Auf Veranlassung der Protestanten in Spiegelau erschienen 7 Personen im
Gasthof Steinklamm um eine Vereinigung der Protestanten im Ort und
Umgebung zu gründen. Nach längeren Aussprachen wird ein
Protestanten-Verein gegründet und beschlossen, sämtliche
Glaubensgenossen in Spiegelau und Umgebung zum Beitritt aufzufordern.
Es wird zur Wahl der Vorstandsmitglieder geschritten. … als Prüfer Herr
Verwalter Porst, als stellvertretender Kassier Herr Krug, als
Schriftführer Verwalter Arlt. Zur Fassung der Statuten wird beantragt,
eine weitere Versammlung einzuberufen und hierzu der Gasthof Steinklamm
in Neuhammer als Versammlungsort am Freitag den 2. Februar 1900
Nachmittags 4 Uhr bestimmt.
2.2.1900 Der Verein wird gegründet
Auszug aus den Statuten des Vereins: §
1 Der Verein hat den Zweck, das religiöse Leben der evangelischen
Gemeinde in Spiegelau zu pflegen und nennt sich”Evangelischer Verein
Spiegelau”. Es ist also kein “Kirchenbauverein”, wie er oft
fälschlicherweise genannt wird, wenngleich er sich dies auch als erst
Aufgabe vornimmt. Für den Zweck des Kirchenbaues wird eigens ein Bauausschuss bestimmt.
Weiter wird der Vorstand veranlasst, dahin zu wirken, dass in Spiegelau
Gottesdienste abgehalten werden können und hat der Verein beschlossen
eine Kapelle in Spiegelau zu erbauen. Infolge Bewilligung einer
größeren Geldzeichnung und Abtretung von Grundstück seiten eines
Mitglieds ist der Bau der Kapelle gesichert. … Punkt 10 Betreff des Baues der Kapelle wird eine Baukommission bestimmt und hierzu
Herr Max Fischer, Herr Hermann Exner, Herr Oswald Burkhardt gewählt, welche ihre Beschließungen dem Vereinsvorstand unterbreiten.
4.3.1900 III. Versammlung
… durch gütige Vermittlung des Herrn Geistlichen (sind) der Gemeinde
Spiegelau 12 Gottesdienste im Jahr gesichert, sobald eine Kapelle in
Spiegelau erbaut ist.
Weiter hat sich Herr … Maler Ladewich, Deggendorf bereit erklärt, für die Kapelle ein Bild zu malen. 13.März 1900 Das
Königlich prot. Konsistorium in Bayreuth erhält eine Anfrage wegen der
Pastorisierung der Protestanen Spiegelaus. Darin ein Schreiben des
Landeskonsistoriums des Königreichs Sachsen mit der Bitte um
Stellungnahme. Von dort geht es weiter nach Regensburg.
28.3.1900
Regensburg hat gegen den Plan nichts einzuwenden. Vielmehr wird mit den
hohen Fahrtkosten der Arbeiter und den niedrigen Kosten für so ein
Kirchlein argumentiert. Außerdem kann man sich so aus Grafenau weg
verlagern, wo man als evangelische Gemeinde große Probleme hat.
29.3.1900 Bayreuth
schreibt nach München, man habe Regensburg zur Stellungnahme
aufgefordert. Nach Bayereuth selbst sind die unzulässigen Anträge nicht
gelangt. Zweifel werden angemeldet und Ärger dass man sich mit dem
Kapellenbau zuerst nach Sachsen und dann erst an Bayern
wendet.-Gustav-Adolf-Stiftung.
5.4.1900
Königl. Oberkons. möchte wissen, wie viel Protestanten, darunter wie
viel Sachsen und ob nicht auch ein Fabrikraum geht.
15. 4.1900
In der Unterhaltungs-Beilage zur Passauer Zeitung wird ein Bericht über
eine Bahnreise durch Spiegelau nach Grafenau abgedruckt. Auf diesen
Bericht bezieht sich auch eine der Begründungen für eine eigene würdige
Kirche.
20.41900 Reisepredigerstelle Zwiesel: Die Zahl der Protestanten im Bereich Grafenau/Spiegelau beträgt 81 Seelen Davon
51 Sachsen und 30 Bayern. Davon sind in Spiegelau wohnhaft 35
Protestanten, davon 32 Sachsen. Man muss dann noch weitere17 Leute
dazuzählen, die über den Sommer da sind. Also 52 Protestanten, davon 42
Sachsen. Gottesdienste
in einem Fabrik- oder sonstigen Raume abzuhalten schließt der
Reiseprediger aus. Er beklagt sich auch über die Verhältnisse in
Grafenau und dass man dort schon verspottet würde, weil die
Protestanten im Wirtshaus Gottesdienste feiern müssten.
28.4.1900
Den Spiegelauer Protestanten wird die Anrufung der bayerischen
Gustav-Adolf-Stiftung und des lutherischen Gotteskastens empfohlen.
7.5.1900 Der Reiseprediger wird gemahnt, sich an die Vorschriften zu halten.
Zum Bau einer Kapelle in Spiegelau sei das sächsische
Landeskonsistorium, aber nicht die für eine bayerische Gemeinde
zuständige Gustav-Adolf-Stiftung in Ansbach und der lutherischen
Gotteskastenangegangen worden.
7.Mai 1900 Das
Oberkonsistorium eröffnet dem Konsistorium in Bayreuth und Regensburg,
dass das sächsisch evangelisch lutherische Landeskonsistorium die
evangelisch-lutherischen Glaubensgenossen in Spiegelau unterstützen
wird. Insbesondere “die Erbauung und die Ausschmückung einer
würdigen Stätte für evangelisch-lutherische Gottesdienste.3 Jahre lang
sollen jährlich 300 M jeweils im Juli übersendet werden.
16.Mai 1900 ordentliche
Monats-Versammlung des Evangelischen Vereins: Geld kommt von Prokurist
Zahn 50,--M, Petzold ,Werdau 15M, Roscher Regensburg 30M, Pfarrer
Blendinger als Ergebnis der Sammlung des evangelischen Sonntagsblattes
Redaktion 58,50M, Porti und Reisespesen nach Landau ./. 3,50
Rechtsanwalt
Pohl in Traunstein veranlasst eine “Schilderung des Kirchenbaues in den
3 größten Zeitungen Bayern. Leider ist nicht bekannt, in welchen. Herr
Fischer erklärt, dass er den Bauplatz zur Kirche kauft und dem Verein
schenkt. Die notarielle Verbriefung erfolgt noch.
Die Besitzer der Fa. Wildberger&Co (Militzer und Münch) haben sich
bereit erklärt, den Fußboden gratis zu liefern. Das Bauholz wird vom
Forstamt zur Verfügung gestellt, der Einschlag geht auf Konto der Firma
Petzold. Wegen der inneren Ausstattung haben Gönner des Vereins ihre
Unterstützung zugesichert. Baumeister Holzinger, der die Zeichnung angefertigt hat und Baumeister Stadler, Dillingen sind
veranlasst, Kostenvoranschläge anzufertigen. Holzingers Voranschlag liegt bei 11.277M für den Rohbau. Wegen des Fensterglases wird mit” Gebr. Tasche” (Kathedralglas) in Zwiesel verhandelt. Herr
Petzold, Schwager des Herrn Porst hat ein Preisverzeichnis für Harmonium der Firma E. Müller, Werdau.
16.5.1900 Der
Reiseprediger Dietz legt in einem Schreiben an das Konsistorium in
Bayreuth dar, dass die Unterstützungsbitte nicht von ihm sondern allein
von den sächsischen Glaubensgenossen ohne sein Vorwissen ausgegangen
ist. “ich hätte es nicht gewagt, ohne Zustimmung meiner vorgesetzten Behörde mich an ein
außerbayerisches Kirchenregiment mit einem Bittgesuche zu wenden.
19.6.1900 V. Monats-Versammlung Porst berichtet von seinen Fahrten bei denen er Baumaterial beschafft. Dekan Koch aus
Regensburg erklärt sich bereit, bei der Beschaffung der Altargefäße vermittelnd einzutreten. Dieser rät auch, die Grundsteinlegung in aller Stille vorzunehmen. Sämtliche Versuche des Herrn
Porst, Unterstützung zu erlangen hatten guten Erfolg. Herr
Fischer erklärt, den Bauplatz ganz für sich zu übernehmen und nochmals
vermessen zu lassen. Es wird beschlossen den Bau so schnell wie möglich
zu beginnen. Um das Bauholz wird das Forstamt Spiegelau gebeten.
6.7.1900
Vorstandssitzung: Der Bezirksamtmann teilte mit, dass die Bewilligung
noch längere zeit in Anspruch nehmen wird. Man will nun Herrn Dekan
Koch (der anscheinend dem Vorhaben sehr wohlgesonnen gegenüber steht)
zu bitten, für die Beschleunigung einzutreten. Selbst schreibt man auch
noch mal nach Grafenau.
Der bisher ins Auge gefasste Baumeister Holzinger wollte oder konnte
die Zahlungsbedingungen des Vereins nicht akzeptieren, weshalb man mit
einem Baumeister Kiefer verhandelt.
10.7.1900
Ernst Petzold jun. kommt persönlich zur Monatsversammlung. Er
bringt seine Freude über das Vorhaben zum Ausdruck und stiftet 1000M.
Er will auch mit Rath und Tath zur Seite stehen. Er tritt dem Verein
als aktives Mitglied bei. Herr
Fischer erklärt (wieder einmal), die Verbriefung des Grundstücks in den
nächsten Tagen vornehmen zu lassen. Herr Pommer stiftet 50M und wird
Ehrenmitglied des Vereins.
28.7.1900 Das Amtsgericht Grafenau weist die Vereinsgründung zurück, weil die Vollmacht des Vorstands nicht klar ist.
2.8.1900 Generalversammlung Der Verein ist heute eingetragen.
Der Vorstand wird neu gewählt. Jean Porst bleibt 1. Vorsitzender, 2. Vors. ist Max Fischer, Johann Krug = Kassier, Robert Arlt = Schriftführer, Reiseprediger Dietz = ständiger Beisitzender
Herr Wilsdorf will nicht Mitglied sein, stiftet aber 10M. Angesichts
seines Reichtums und der Beteiligung anderer Evangelischer mit weit
weniger Einkommen eine sehr geringe Summe. Der1876 in Chemnitz geborene
Wilsdorf gehört ebenfalls (wie Porst) zur Familie Petzold und wird 1910
die Firma Petzold in Spiegelau übernehmen.
Herr Petzold gibt bekannt, dass Fräulein Erika Petzold das Grundstück
zur Kirche mit ihren Ersparnissen stiftet, was seitens des Vereins
dankend begrüßt wird.
18.8.1900
Anliegend erhalten Sie die Statuten des o.g. Vereins mit dem Bemerken
zurück, … dass Änderungen in der Person des Vorstands sofort anzuzeigen
sind.
20.8.1900 Der Grundstückskauf wird notariell verbrieft.
Das Grundstück wird erworben von 3 Eigentümern: Das Kirchengrundstück kostet 519,50DM und umfasst nicht ganz 3000qm.
4.9.1900
Der Kirchenbauplatz ist endlich gekauft und verbrieft. Dr. Müller aus
Philadelphia schickt einen Dollar = 4,20DM. Das Forstamt Spiegelau
bewilligt 50 cbkm Baumstämme für den Bau. Das Forstamt Klingenbrunn
bescheinigt den Einschlag des Holzes. Das Bezirksamt schreibt, es seien
noch einige Formalitäten vor dem Bau zu erledigen. Es wird beschlossen,
den Bau der Kirchenstraße zu beginnen und dem Simon Eder im Akkord zu
übergeben. Als neue Mitglieder kommen Dr. Hummel, Spiegelau und Fabrikbesitzer Sonntag Klingenbrunn dazu.
12.9.1900
Der Bauplan ist eingereicht. Die Nachbarn sind einverstanden.
21.11.1900 Dietz schreibt an Porst. Vom Forstamt kommt als Spende das Bauholz.
Weitere Bittbriefe möchte er nicht schreiben (”... habe ich keine
Neigung...”), weil er weder Schriftführer noch 1. Vorsitzender ist. Dann
macht er darauf aufmerksam, dass alle an die evangelische Gemeinde
adressierten Schriftstücke in seine Hände zu gelangen haben.... Da der
Vorstand einer Kirchengemeinde immer der Geistliche ist und nicht der
1. Vorsitzende des evangelischen Vereins. “… Daran müssen Sie sich
schon gewöhnen”. “… Dieser Zustand kann nicht von Dauer sein … denn
Vorstand ist normalerweise (auch im Verein) immer der
Geistliche.” Es folgt die Klage darüber, dass man ohne die natürliche
Führung durch einen Geistlichen anzuerkennen, einfach am Reiseprediger
vorbei seine Pläne durchzusetzen versucht hat.
26.9.1900 Außerordentliche Versammlung
Wieder einmal wird beschlossen, den Bezirksgeometer zu beauftragen, die
Grenzen des Kirchengrundstücks richtig zu stellen.
4.12.1900 Unterstützungsgelder gingen ein im November 1900:
Central.Vorstand des Gustav-Adolf-Vereins Leipzig 1000M Zweig-Verein des Gustav-Adolf Vereins ? 50DM Arbeiterverein Hirschfeld 5M Ernst Siegfried 5M
Porst trägt “nach längerem Meinungsaustausch” das Schreiben des
Reisepredigers vor, der beantragt, 1. Vorsitzender des Vereins zu
werden. Der Antrag wird abgelehnt.
1901 24.3.1901
Die Lieferung der Bruchsteine soll nun von den Grundstücken des Herrn
Ludwig Stangl und der Frau Louise Stangl erfolgen. Das steinerne
Kirchenkreuz wird von der Firma H. Schmid in Pirna gratis geliefert.
Die Firma bietet auch an den Taufstein für 32M und den Kanzelfuß
anzufertigen.
20.4.1901 Der Dresdener Architekt und Baumeister Robert Wohlfahrth legt die Detail-Bauzeichnungen vor.
26.4.1901
Dietz berichtet über Regensburg an Bayreuth , Nach
Mitteilung des 1. Vorsitzenden sind die Vorbereitungsarbeiten für die
protestantische Kapelle bereits vollständig abgeschlossen. Das Bauholz
vom königl. Forstamt ist zubehauen und lagert schon seit längerem an
der Baustelle. Desgleichen sind Sand und Kalk auch schon angefahren.
Die benötigten Bruchsteine werden zur Zeit gebrochen. Die Verträge zur
Lieferung der Backsteine und Ziegel sind abgeschlossen. Auch die
Aufträge für Altar, Kanzel und Taufstein sind vergeben. Desgleichen
auch die Fenster, zu denen Fabrikbesitzer Tasche (Gebr. Tasche,
Farbglas Zwiesel) das Kathedralglas kostenlos liefert. Zur Ausführung
des Baues ist ein Baumeister mit seinen Arbeitern gewonnen. Man kann
beginnen, sobald die Pläne genehmigt zurückkommen. Diese liegen auch
schon lange der kgl. Regierung von Niederbayern vor und werden voll
Ungeduld zurück erwartet, um sie dem hohen Kirchenregiment vorlegen zu
können. Die wohl vorhandenen 3000M dürften zur Bestreitung der
Arbeitslöhne reichen, das Baumaterial ist gestundet auf ½ Jahr.
Die Spiegelauer Gemeindeglieder versprachen, 4000,--M gegen 4% Zinsen
solange als Darlehen zu geben, bis sie durch die in Aussicht gestellte
Kollekte des Konsistoriums die Rückzahlung ermöglicht.
15.5.1901
Liste der zur Verfügung stehenden Mittel des Vereins: Bar eingegangen
oder fest zugesagt: 5.800 M, an Naturalien 1130M, Bürgschaftsleistungen
fester Kredit Petzold und Unterstützung Gustav-Adolph-Verein Ansbach:
2.070M
Zusammen 9.500M.
21. Juni 1901 Bitte nach Bayreuth um Baubeginn
27.Juni1901 Grundsteinlegung wird für den 28.Juli beantragt und abgelehnt, da noch keine Kostendeckung vorliegt.
1.8.1901
Abrechnung der Arbeiterlöhne für Juni/Juli 1901 Der Maurerpolier verdient 6M pro Tag, der Maurer 3,60M.
11.8.1901 Sonntag Die Grundsteinlegung findet statt.
14.9.1901
Von der Schatullverwaltung des Herzogs von Sachsen-Altenburg kommen 200M.
1.10.1901 Eine preussische Absage. Der preussische König und deutsche Kaiser bewilligt nur Unterstützung
für Vorhaben preussischer Natur. Die Absage wird bestätigt.
1.10.1901 Jean Porst schreibt am 1.10.1901 an das königl. protestantische Consistorium
Text und bittet um Mitwirkung bei der Einweihung. Als Termin schlägt er
den 31. Okt. 1901, Reformationstag vor.
9.Okt.1901 Bezirksamtmann Müller aus Grafenau wird als Vertreter der Regierung von Niederbayern zur
Einweihung avisiert.
18. 10. 1901 Porst dankt dem Dekan Koch aus Regensburg für seine Unterstützung und sein Wohlwollen. 28.10.1901 Der Gustav Adolf-Verein bewilligt die ersten Gelder
Einladung zur Einweihung
31.10.1901 Einweihung der Kirche
17.11.1901 Der Evangelische Verein schreibt nach Bayreuth um 12 Gottesdienst pro Jahr genehmigt zu
bekommen. Dafür will er sogar ein Fuhrwerk für den Reiseprediger stellen, wenn kein Zug fährt.
7.12.1901 Die Regierung von Niederbayern hat keine Einwendungen gegen die Abhaltung von 12
Gottesdiensten in der neuen Kirche, wenn in Grafenau auch 10 gehalten werden.
11.12.1901 Reiseprediger Dietz schickt dem Evangelischen Verein Terminvorschläge über die zu haltenden Gottesdienste.
20.12.1901 Das
königlich protestantische Oberkonsistorium “ist endlich geneigt, die 12
Gottesdienste pro Jahr zu gewähren !”. Die Auslagenfrage müsse aber
noch geregelt werden und die Termine genau festgesetzt.
1902 5.2.1902 Der Reiseprediger Dietz teilt dem königlichen Konsistorium in Bayreuth die Termine der Gottesdienste mit.
13.2.1902
Das königl. protestantische Oberkonsistorium in München genehmigt die
12 Gottesdienste in Spiegelau mit der Maßgabe, dass auch in Grafenau 10
gehalten werden. Der Reiseprediger wird dafür in Viechtach von 4
Gottesdiensten befreit.
9.8.1902 Geld ist verschwunden, aber Dietz war es nicht, vielleicht war es Porst - schreibt Dietz. 19.9.1902
Porst berichtet, die Bayerische Vereinsbank München gebe die
benöthigten 10.000DM gegen alleinige Hypothek und Bürgschaft der Firmen
Ernst Petzold Neuhammer und J. Wildberger Louisenfels.
24.9.1902
Endgültige Kostenabrechnung durch Architekt Wohlfahrt, Dresden Dabei wird auch der Voranschlag den tatsächlichen Kosten gegenübergestellt. 30.10.1902
Reiseprediger Dietz lehnt eine Feier zum Andenken an die Erbauung der
Kirche ab. Begründung: Es wären eh alle dabei gewesen und wüssten noch
wie es war. Er kenne seine Spiegelauer und die würden keine ernste
Feier wollen, sondern Tanz und Musik. Und der Verein sei kein
Vergnügungsverein.
1904 Michael Wolf löst als Reiseprediger Heinrich Dietz ab und bleibt bis 1909.
21.5.1904
München an Bayreuth: Wie sieht’s jetzt aus mit dem Geld und den Schulden?
25.7.1904 Weitere Kollekte genehmigt Reiseprediger Wolf unterschreibt das Schreiben an Porst.
1905 12.2.1905
Generalversammlung: Porst ist noch 1. Vorsitzender. Das ist insofern
interessant, als dass am 8. 12.1906 (0630) Porst der 2.
Vorsitzende ist. Den Vorsitz hat jetzt Pfarrer Wolf. Anscheinend kam
man mit ihm besser zurecht als mit Dietz. Man spricht übers Geld, weitere Anträge liegen nicht vor.
1907 Jahresbericht über das Kirchenwesen in der prot. Reisepredigerstelle Zwiesel
80 000 Katholiken / 371 Protestanten Die Bankschulden für die Kirche in Spiegelau betragen noch 3500 M+ einige 100 M andere Schulden.
Die Zahl der Protestanten geht immer mehr zurück. Es “macht einen
betrübenden Eindruck, wenn bei Gottesdiensten manchmal nur 10 - 12
Personen (sich) zusammenfinden. Das heilige Abendmahl findet 2x pro Jahr statt.!
1909 Adolf Jäger heißt der neue Reiseprediger. Er bleibt bis 1913. 14.9.1909 Bittgesuch
an den hochverehrlichen lutherischen Gotteskasten in Bayern um
Unterstützung zur Tilgung der Kirchenbauschulden. “Wir haben eine
schöne Kirche gebaut, ein Schmuck der ganzen Gegend. Aber die Zahl der
Gemeindeglieder beträgt nur ca. 50. Allein hätte man nie bauen können,
nur durch günstige Umstände: der Bauplatz wurde geschenkt, Bauschulden
gestundet. Vor 4 Jahren konnte die Schuld von 12.000M durch eine
Kollekte auf 3500M verringert werden.” Man musste aber wegen Kündigung
eines Kapitals 1500M neu aufnehmen und hat jetzt wieder 5000M Schulden.
Außerdem muss man jährlich 400M Zinsen zahlen und Harmonium und Uhr
sind auch noch nicht bezahlt. Die Gemeindeglieder sind zwar
opferwillig, aber überfordert. Michael Wolf unterschreibt als 1. Vorsitzender des Evangelischen Vereins.
Noch im gleichen Jahr wird Adolf Jäger Reiseprediger. Er bleibt bis 1913.
1910 22.11.1910 Nebe schreibt an den Vereinsvorstand und schlägt Verminderung des Beitrags vor.
1912
26.8.1912 Im Reisepredigerbezirk Zwiesel leben jetzt etwas über 400 evangelische unter 72000 katholischen.
1913 12.2.1913 Es gibt wieder 300 M aus Kirchensteuermitteln.
August Rabus löst Adolf Jäger als Reisprediger und 1. Vorsitzender des Vereins ab. Er bleibt bis 1922.
1914 Pfarrbeschreibung Passau von 1914 durch Kirchenrat Friedrich Hoerner
5.5.1914
Das königliche Amtsgericht moniert, dass seit 1903 keine
Änderungsmitteilung des Vereins mehr eingereicht wurde. Man geht davon
aus, dass dies nachlässig sei und droht einen Gerichtstermin an.
1916
28.1.1916
Wieder Bitte an den Gotteskasten. Der
Evangelische Verein hat noch immer 4300M Kirchbauschulden, muss dafür
jährlich 275M Zinsen zahlen. Die Gemeinde ist ca. 80 Seelen groß,
hauptsächlich Arbeiter oder Fabrikbeamte. Die Bitte wird im Februar
wiederholt. Man könne die laufenden Ausgaben nicht mehr bestreiten
1918 29.10.1918
Die Glocken werden geprüft. Ergebnis: Guss-Stahlglocken ohne Wert.
1922 Die Stelle des Reisepredigers und damit zuständigen Pfarrers für Spiegelau nimmt jetzt Georg Plesch ein. Er bleibt bis 1926.
1926 Okt 1926: 25-jähriges Kirchenjubiläum und Einführung des neuen Pfarrers Hermann Kolb. Dieser bleibt bis 1934.
1934 14.10.34
Der auch für Spiegelau zuständige Pfarrer Kolb schreibt an den
Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp, der ein Jahr zuvor den
gewählten Bayerischen Ministerpräsidenten Held aus dem Amt “gedrängt”
hatte.
Die Vorgeschichte: 1933 war in Bayern der überzeugte Antisemit und mit
den Nationalsozialisten sympathisierende Meiser Landesbischof geworden.
Der größte Teil des “Kirchenvolkes” folgte ihm. Als jedoch die
nationalsozialistische Regierung die Landeskirchen auflösen wollten,
protestierteen auch die Bayerischen Evangelischen.
1935 Hans Wiesinger kommt als neuer Pfarrer und bleibt bis 1947.
1938 12.2.1938 Die
Gemeinschaftsschule wird abgestimmt. Pfarrer Wiesinger und Teile der
Gemeinde sind dagegen un tun das auch nicht nur im Geheimen. In dem
Zeitungsbericht werden sie ohne Namensnennung erwähnt: “... die
Versuche gewisser Kreise, die Eltern von der Stimmabgabe abzuhalten,
sind fruchtlos geblieben.”
1945 Alfred Rippel kommt als Vikar nach Spiegelau und bleibt als Pfarrer bis 1953.
1950 Die
Volkszählung ergibt eine Anzahl von 1868 Evangelischen im damaligen
Landkreis Grafenau, dem heutigen Kirchengemeindebereich.(Albert Strohm
(hg.), Evang. Luth. Dekanat Passau, Erlangen 1984)
1951 28.10.1951 Die
Kirche wird 50 Jahre alt. Zur Feier wird ein Festgottesdienst gehalten,
bei dem auch der bisherige Vikar Garms zum Pfarrer ordiniert wird. Es
kommen über 600 Festteilnehmer.
1952
4.3.1952 Der Evangelische Verein besteht noch. Und
die Kirche braucht eine neue Schreibmaschine, da das e und E fehlen.
Aber der Pfarrer weiß sich zu helfen und ersetzt mit c und F.
1953
Der in Spiegelau ordinierte Pfarrer Garms wird für Spiegelau zuständig und bleibt bis 1958
1954 Das selbständige Evangelisch-Lutherische Pfarramt Grafenau im Dekanat Passau entsteht.
1958
Hermann von Segnitz-Boss kommt als Pfarrer nach Grafenau und bleibt bis 1964.
1961 Die Volkszählung ergibt 1002 Evangelische im Grafenauer Land
1964
Im März erhalten die Spiegelauer Straßen Namen. Die zur Kirche führende
Straße erhält den Namen Martin-Luther-Straße.
Pfarrer Julius Kasperowitsch übernimmt das Amt des Gemeindepfarrers bis 1989.
1965
24.10.65 Der
Evangelische Verein beschließt auf seiner Hauptversammlung, sein
Vermögen (darin auch die Martin-Luther-Kirche Spiegelau an die
Kirchengemeinde Grafenau zu übertragen.
1966 21.3.1966
Der Evangelische Verein wird im Vereinsregister gelöscht.
23.6.1966 Der Evangelische Verein erhält einen gerichtlich bestellten Vorstand, um die Übergabe des
Vereinsvermögens und dessen Auflösung rechtswirksam werden zu lassen. Die vorherige Löschung war nichtig.
1965 - 1966 Die
Kirche wird renoviert. Dabei wird die Uhr mit dem Uhrwerk demontiert,
die gusseisernen Geländer werden entfernt, das einst gestiftete
Sandsteinkreuz über der Giebelwand wird abgenommen. Das vorher
aufwendig gegliederte Dach wird nun einfach mit Blech gedeckt. Die gesamte Renovierung kostet ca. 52.000DM
1970 Wieder Volkszählung: 1130 Evangelische im Grafenauer Land.
1976 30.10.1976 Die Martin-Luther-Kirche wird 75 Jahre alt. Wieder findet eine große Feier statt.
1979
Eine neuerliche Renovierung wird beantragt.
1985 Das alte Harmonium tut es nicht mehr. Eine neue Orgel wird angeschafft. Am 28. Juli 1985 findet die Einweihung statt.
1989
Pfarrer Kasperowitsch wird von Erwin Weichselmann abgelöst, der 1992 die Gemeinde bereits wieder verlässt.
1992 Pfarrer Friedemann Kohler übernimmt das Amt des Gemeindepfarrers und ist damit auch für
Spiegelau zuständig.
1997 -2001 Die
Kirche wird innen und außen generalrenoviert. Die Renovierungskosten
belaufen sich insgesamt auf 437478,79DM also fast eine halbe
Million Mark!
2000 Ostern 2000. Der in Spiegelau
geborene evangelische Diakonin Gabriela Neumann-Beiler wird als erster
Diakonin in Bayern die Berechtigung zur Abendmahlsverwaltung
übertragen. Die festliche Zeremonie findet in der Martin-Luther-Kirche
statt.
2001 Die Martin-Luther-Kirche wird 100 Jahre alt.
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