Zeittafel zur Spiegelauer Geschichte

Zeittafel (Stand 2011 ©hermann beiler, spiegelau)

1300 -1400

Spiegelau wird noch nirgends urkundlich erwähnt. Oberkreuzberg exisitert bereits als Ortschaft mit einigen Anwesen (schon vor 1395: "Krewzperg" oder "Creitzperg"), Klingenbrunn als Ansiedlung mit einem oder zwei Höfen (erste Hinweise schon 1250: “Cunradus de Chlingenprunne”) und Pronfelden (1395 “... Prannfelden ain Öd, leit bey Reichenperg in dem Walld.”) als Hofstätte.

 

 

1400 -1500

1488

Im Bärnsteiner Scharwerksgeldregister findet man Hinweise auf eine Glashütte in Klingenbrunn und eine Glashütte in Hirschschlag.

 

 

1492

Der erste nachgewiesenen Spiegelauer Hüttenherr Erasmus Mospurger kauft die Frauenauer Hütte von Balthasar Pfahler. Es liegt der Schluß nahe, daß er zu dieser Zeit auch die Spiegelauer Hütte schon begründet hat. Beweise dafür gibt es allerdings nicht.

 

 

1498

Erasmus Mospurger verkauft die Frauenauer Glashütte mit Auflagen an Sigmund Frisch.

 

 

1500 -1600

1521

Der in Grafenau geborene Passauer Bürger Erasmus Mospurger vermacht seine Glashütten Spieglaw und Klingenbrunn der Pfarrkirche Grafenau. Diese soll regelmäßig Totenmessen abhalten und die Hütten zum Schätzwert an Mospurgers Vetter, den Passauer Spiegelmacher Sigmund Frisch weiter veräußern. Dies geschieht zwar, führt aber zu einem Streit, der 1532 mit einem Spruchbrief des Bärnsteiner Pflegers beendet wird. In diesem Spruchbrief wird der Ortsname Spiegelau (Spieglaw) zum erstenmal urkundlich erwähnt. Der Bezug auf die testamentarische Verfügung von 1521, in dem nur von den “Glashütten” die Rede ist, läßt aber unzweifelhaft darauf schließen, daß die Glashütte Spiegelau im Jahr 1521 bereits bestanden haben muß.  (Originalurkunden  im Hauptstaatsarchiv München und im  Staatsarchiv  Landshut)

 

 

1524

Die Glashütte Hirschschlag existiert nicht mehr. Nur das Landwirtschaftliche Anwesen besteht noch, der spätere Hirschschlager Hof.

1527

Reformation und Gegenreformation fordern auch in unserem Bereich ihre Opfer. Leonhard Kaiser, Theologe, geb. 1480 in Raab bei Passau, wird am 16.8.1527 in Schärding als Glaubenszeuge verbrannt. 

 

 

1532

Erasmus Mospurger stirbt in diesem Jahr. In einem Spruchbrief werden dem Spiegelmacher Sigmund Frisch aus Passau gegen Zahlung einer gewissen Geldsumme endgültig die Rechte an der Glashütte Spiegelau (und an Klingenbrunn) zugesprochen.

Der Ortsname Spiegelau (Spieglaw) wird zum erstenmal erwähnt. (Originalurkunde im Hauptstaatsarchiv München, KLU Niederalteich 1642)

 

 

1542

Spiegelau (Spiglau) wird in dem Erbrechtsbrief, den Sigmund Frisch aus Passau von Herzog Wilhelm IV. erhält, wieder urkundlich erwähnt. Herzog Wilhelm IV. regiert von 1508 bis 1545 zusammen mit seinem Bruder Ludwig X. und dann allein bis 1550.  (Historische  Abschrift der Originalurkunde im Staatsarchiv Landshut, Rentkastenamt  Straubing, A 682, Fol. 410)

 

 

1556

Achatz Frisch wird Hüttenherr von Spiegelau und Klingenbrunn.

 

 

1568

Spiegelau ist als Glas- und Spiegelhütte in der "Karte von Bayern" von Philipp Apian eingezeichnet und wird als solche in einer Liste aufgeführt.

Es wird sicher Spiegelglas hergestellt, das von Spiegelmachern weiterverarbeitet werden mußte. (z.B. in Passau oder Nürnberg)

Die ebenfalls verzeichnete Glashütte Hirschschlag, in der Patterln hergestellt wurden, ist seit mindestens 1524 nicht mehr in Betrieb.

In späteren Karten taucht Spiegelau bis ins 19. Jahrhundert nicht mehr auf. In einem alten Bericht ist von “einem Bauern und ein paar Ochsen” die Rede. Im 18. und Anfang des19. Jahrhunderts stehen ein Pocher der Klingenbrunner Glashütte sowie eine Sägemühle an der Ohe eingangs der Steinklamm, die dem Ort den Namen “Spiegelaumühle” gibt. Mit dem Aufschwung der Holz- und Glasindustrie im 19. Jahrundert wächst eine kleine Ortschaft entlang der Schwarzach, die auf einigen Karten auch „Schwarzach“ benannt wird.Vermutlich aufgrund eines Hör- oder Schreibfehlers findet sich sogar der Name “Schwarza”.

 

 

1584

Im Bärnsteiner Land bricht die Pest aus.

 

 

1585

Georg Rabensteiner erwirbt die Glashütten Spiegelau und Klingenbrunn.

 

 

1599

Gotthard Riedel ist Hüttenherr in Spiegelau und Klingenbrunn. Er stirbt in diesem Jahr.

 

 

1600 -1700

1602

Matteus Greippel (oder Greipl) ist Eigentümer des Klingenbrunner Hüttengutes mit den beiden Glashütten. Er legt die Glashütte Spiegelau still. Die Glasherstellung erfolgt in Klingenbrunn (wahrscheinlich „im Ochsenkopf“).

 

 

1606

Thomas Aenkler ist Hüttenherr auf Klingenbrunn.

 

 

1608

Michael Khrieger ist Hüttenherr auf Klingenbrunn.

 

 

1611

Hans Greipl ist jetzt Hüttenherr auf Klingenbrunn. Auch Matthäus Greipl (andere Schreibweise: Greippel) wird als Eigentümer benannt. Wahrscheinlich betreibt er jetzt die Hütte mit seinem Bruder zusammen.

 

 

1615

Herzog Albrecht VI. besucht Matheus Greipl in Klingenbrunn, kauft Gläser und bezahlt diese sogar..

 

 

1618

Der 30-jährige Krieg beginnt.

 

Abraham Poschinger von Frauenau erwirbt das Glashüttengut Klingenbrunn.

 

 

1628

Ezechiel Preißler wird Hüttenherr auf Klingenbrunn.

 

1658

Besitzer des Anwesens wird  Willibald Preissler. 

 

 

1680

Die Klingenbrunner Glashütte wird nach Althütte verlegt.

 

 

1689

Jakob Miller heiratet die Witwe des Christian Willibald Preißler und wird damit Hüttenherr auf der inzwischen hoch verschuldeten Glashütte Klingenbrunn.

 

 

1700 -1800

1723

Das Hüttengut Klingenbrunn wird zwangsweise verkauft. Christoph von Tengler erhält den Zuschlag.

 

 

1752

Das gesamte Hüttengut Klingenbrunn kommt auf die Gant (wird versteigert).

 

 

1753

Christoph Hilz erwirbt das Hüttengut Klingenbrunn.

 

 

1756

Die Klingenbrunner Glashütte (Althütte) wird „durch schlimmes Gesindel“ niedergebrannt und im Ochsenkopf wieder aufgebaut.

 

 

1758

Christian Hilz, der Sohn des Christoph Hilz übernimmt das Hüttengut Klingenbrunn.

 

 

1766

Die Klingenbrunner Neuhütte wird unterhalb des Bocksbergs erbaut.

 

 

1769

Josef Damian Stuber zeichnet als Churfürstlicher Landgeometer einen Plan des Klingenbrunner Glashüttengutes mit den darauf befindlichen Produktionsstätten. Es sind dies :

Klingenbrunn Ochsenkopf, Althütte und Neuhütte. Althütte wird zu dieser Zeit allerdings nicht betrieben.

 

 

1783

Die Klingenbrunner Glashütte am Ochsenkopf wird vom Schnee eingedrückt und endgültig stillgelegt. Dafür wird am Standort Althütte wieder eine Glashütte erbaut und in Betrieb genommen.

 

 

1791

Christian Hilz stirbt in Klingenbrunn und wird in Oberkreuzberg begraben.

 

 

1799

Eigentümer der Klingenbrunner Glashütten ist jetzt Felix Hilz.

 

 

1800 -1900

1806

Felix Hilz, Hüttenherr von Klingenbrunn wird geadelt.

 

 

1814

Felix von Hilz stirbt. Sein Sohn, der ebenfalls Felix von Hilz heißt, führt die Hütten weiter.

 

 

1820

Der letzte Hirsch des Bayerischen und Böhmerwaldes wird erlegt. (Die heute lebenden Hirsche werden erst später wieder eingeführt)

 

 

1820

Auf dem „Urkataster“, einer ersten echten topografischen Vermessung aller Bayerischen Grundstücke gibt es eine „Spiegelaumühle“ (ein Gebäude), einen Weiler namens „Schwarza“ (wohl damals ein Hör- oder Schreibfehler, aber bis heute in den Flurkarten enthalten).

 

Pronfelden ist mit seinem Gutshof eingezeichnet, der bis heute fast unverändert steht.

 

 

1828

Auf dem topographischen Atlas von Bayern 1:50.000 Blatt Nr. 50 (Zwiesel) ist Spiegelau gleich neben Schwarzach wieder als winziger Weiler (kleiner als Neuhütte) verzeichnet. Das soll sich bald ändern.

 

Felix von Hilz bietet dem Königreich Bayern seinen Waldbestand zum Kauf an.

 

 

1829

Felix von Hilz bietet dem Königreich Bayern seinen gesamten Besitz zum Kauf an.

 

Im Zuge der Verkaufsverhandlungen wird ein Schätzungsprotokoll über den von Hilz’schen Besitz angefertigt. Aus diesem Protokoll lassen sich die damaligen Besitzverhältnisse genau nachvollziehen. Auch die Namen der auf dem Besitz wohnenden Familien werden genannt.

 

 

1832

Das Gut Klingenbrunn, zu dem auch Spiegelau gehört, wird von Felix von Hilz an das Königreich Bayern für 107.000 Gulden verkauft. Das Gut besteht damals aus Herrenhaus, Ökonomiegebäuden, Ziegelei, einer Brauerei mit Wirtschaft, Glashütten mit entsprechenden weiteren Gebäuden in Alt- und Neuhütte sowie weiteren Gebäuden und vor allem dem Klingenbrunner Forst.

Der Staat verkauft noch im gleichen Jahr das Gut ohne Forst an Josef von Maiern aus Mindelheim und die Firma Heinz & Comp. aus Oberfranken. Der Betrieb in Neuhütte wird wegen Baufälligkeit eingestellt. In Althütte wird bis 1839 produziert.

 

 

1833

Auf einer genauen Militärkarte 1:25.000 Blatt Grafenau von 1833 ist Spiegelau nicht verzeichnet. Der Weiler heißt dort Schwarzach. Es gibt aber eine Spiegelaumühle.

 

Das Forstrevier Klingenbrunn wird begründet. In Klingenbrunn wird ein Forsthaus errichtet.

 

 

1834

Spiegelau (bzw. Schwarzach) das bisher zur Gemeinde Oberkreuzberg gehörte, wird jetzt zusammen mit der Gemeinde Klingenbrunn eigenständig. Die Neue Gemeinde heißt Klingenbrunn.

 

 

1839

Ein Teil des Glashüttengutes Klingenbrunn wird von dem Eigentümerkonsortium an Anton Hellmayer und seine Frau Katharina verkauft. Die Glashütte wird von seinem neuen Besitzer Anton Hellmeier von Neuhütte nach Spiegelau verlegt. Erst jetzt ist Spiegelau wieder ein Glashüttenstandort.

 

Heinz und von Maiern verlegen die Glasherstellung von Althütte nach Flanitzhütte (Maiernhütte).

 

Ein Sturm wirft 30.000 Festmeter Hochwald. 

 

 

1842

Die Glashütte wird vom Glasführer (Fuhrunternehmer)  und Bierbrauer Anton Stangl aus Zwiesel für 21.000 Gulden ersteigert. Nun beginnt eine neue Blüte der Glaserzeugung. Entsprechend dem Zeitgeist (es wird mehr geschnupft als heute geraucht!) werden hauptsächlich Schnupftabakgläser hergestellt. Brauerei und Gastwirtschaft tragen zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Der Ort wird zeitweise "Stanglhütte" genannt.

 

 

1859

In Spiegelau wird ein erster provisorischer Gendarmerieposten mit drei  Mann eingerichtet.

 

 

1860

Spiegelaus größter Unternehmer, der Brauerei- und Sägewirtsbesitzer, Gastwirt und Fuhrunternehmer, Eigentümer der Spiegelauer Glashütte und der angeschlossenen Werkstätten Anton Stangl stirbt am 18. Juni.. Nachfolger wird sein Sohn Ludwig Stangl. (Andere Quellen geben 1863 bzw. 1866 als Todesjahr an)

 

 

1863

Felix von Hilz auf Klingenbrunn stirbt in Passau als Privatier. 

 

 

1865

Der Arbeiter Ferdinand Hilz aus Riedlhütte legt einen Brand im Sägewerk Heiß in Luisenfels, wobei zwei Menschen ums Leben kommen. Er wird darauf mit dem Fallbeil enthauptet. 

 

 

1866

Hofrat Dr. Wildberger aus Bamberg erbaut eine Holzstofffabrik in der Steinklamm. Hier wird später auch Pappe hergestellt.

 

Preußen führt Krieg gegen Bayern. Bayern unterliegt und muß ein “Schutz- und Trutzbündnis mit dem ehemaligen Kriegsgegner abschließen.

 

 

1867

Am 17.4.1867 ertrinkt der Malermeister Wilhelm Fleck bei einem verheerenden Hochwasser vermutlich in der Schwarzach.

 

Von 1867 bis 1910 werden in einer dafür speziell eingerichteten Zündholzstoßerei des Glasfabrikanten Stangl Rohzündhölzer für Frankreich und Norddeutschland hergestellt. 

 

 

1870

Ein schwerer Sturm wirft unvorstellbare Mengen Holz.

 

 

1874

Das bei dem schweren Sturm 1870 geworfene Holz bleibt fast vier Jahre liegen. Es gibt aber auch andere Sorgen, z.B. den Krieg mit Frankreich. Erst 1874 kann man wieder genug Leute auftreiben, um das Holz aufzuarbeiten. Damals wie heute entsteht nach der Schwächung des Waldes durch die Sturmschäden eine Massenvermehrung des Borkenkäfers. Mehr als 1.000 Menschen aus Deutschland , Österreich und Italien versuchen, soviel Holz wie möglich aus dem Wald zu holen und noch einer Nutzung zuzuführen. Sie versuchen auch, den Käfer zu bekämpfen. Anschließend wird aufgeforstet. Dadurch wird die Zusammensetzung der bis Mitte des Jahrhunderts weitgehend natürlichen Wälder endgültig zu deren Nachteil verändert und es kommen auch standortfremde Arten zum Einsatz.

 

 

1876

Am 20. Juli 1876 wird die Freiwillige Feuerwehr Spiegelau gegründet. Der erste Kommandant ist Anton Röck.

 

In Chemnitz wird 1876 Dr. Konrad Wilsdorf geboren. 1910 wird er Inhaber der Fa. Ernst Petzold, Holzindustrie in Spiegelau (später Staatl. Sägewerk).

 

 

1877

Die Eisenbahnstrecke (Plattling - Bayerisch Eisenstein wird gebaut. Damit ist der Bayerische Wald an das übrige deutsche Bahnnetz angeschlossen. Die Bahnlinie Zwiesel-Grafenau kommt erst drei Jahre später.

 

Die Vollendung der durch Spiegelau führenden Distriktsstraße nach Grafenau bringt eine weitere Förderung der Spiegelauer Wirtschaft mit sich.

 

Am 17.9.1877 wird die Postagentur Spiegelau begründet. Posthalter: Ludwig Stangl, Postdienst: Anton Röck. Eine Telegrafenstation wird eingerichtet. 

 

 

1878

Die Private Feuerschützengesellschaft  wird gegründet.

 

Der Fabrikverwalter Rain wird ermordet. Der oder die Täter werden nicht gefaßt.


Am 5.1.1878 wird in Nürnberg Fritz Pretzfelder geboren, der später als Eigentümer der Glasfabrik einer der wichtigsten Unternehmer Spiegelaus werden wird.

 

1885

Die Waldvereinssektion Spiegelau wird gegründet.

 

Ein Angestellter der Glasfabrik namens Anton Hilz wird Besitzer des ersten Velozipeds im Landkreis. Es war ein fein vernickeltes Hochrad mit Vollgummireifen. 

 

Die erste Rachelkapelle wird erbaut. 

 

 

1887

Der Spiegelauer Wald wird radikal abgeholzt. Bis zu diesem Jahr war der Weiler Spiegelau noch vollkommen mit Bäumen bewachsen. Inzwischen ist der Wald wieder bis an die Häuser heran gewachsen.

 

 

1888

Die Waldvereinssektion Spiegelau wird in den Hauptverein aufgenommen und heißt jetzt mit vollständigem Namen: Bayerischer Waldverein e.V. - Sektion Spiegelau -.

 

 

1889

Nach dem Borkenkäfer richten nun Spanner und Nonne große Forstschäden an.

 

 

1890

Am 1.9.1890 wird die Bahnlinie Zwiesel - Grafenau eröffnet. Spiegelau erhält einen Bahnhof. Es beginnt das eigentliche Wachstum der Gemeinde.

 

Ernst Petzold aus Chemnitz erwirbt das Sägewerk des Martin Heiß in Luisenfels, weiteren Grund und Gebäude (auch eine Gastwirtschaft). Er betreibt Holzverarbeitung in großem Stil mit industriellem Charakter. Das Stammwerk steht in Chemnitz, wo auch die Familie Petzold weiter ihren Wohnsitz hat. 

 

 

1891

Am 6.9.1991 wird der Katholische Arbeiterverein Spiegelau gegründet. 

 

 

1893

Anton von Hilz stirbt als Gemeindearmer in Straubing. 

 

Im Zusammenhang mit der Feuerwehr wird zum erstenmal eine Feuerspritze (Saug- und Druckspritze) erwähnt.

 

 

1894

Eine Attraktion kommt nach Spiegelau. Im Gasthaus zur Steinklamm wird das Billardspiel eingeführt.

 

 

1895

Das Forstamt Spiegelau wird begründet. 

 

 

1896

Im Zusammenhang mit der Feuerwehr wird zum erstenmal ein Spritzenhaus erwähnt.  

 

 

1897

Dr. Karl Schnelldorf kommt als erster praktizierender Arzt nach Spiegelau. Er stirbt schon ein Jahr später. Er soll seine Patienten schlecht behandelt haben und dem Alkohol verfallen sein.  

 

 

1898

Der Glashüttenbesitzer Ludwig Stangl sen. stirbt in diesem Jahr. Sein Sohn Ludwig Stangl jun. wird sein Nachfolger. Er muß an die Witwe 80.000 Reichsmark auszahlen. Diesen Liquiditätsabfluß wird das Unternehmen nicht verkraften. Ludwig Stangl jun. stirbt schon 1905.

 

 

1900 - 1950

1900

Der "Evangelische Verein Spiegelau" wird gegründet. Unter anderem setzt er sich den Bau einer evangelischen Kirche zum Ziel. Mitglieder des Vereins sind meist leitende Mitarbeiter der Firmen Holzwarenfabrik Petzold und Pappenfabrik Wildberger in Luisenfels (heute Steinklamm). Die Firma Petzold hat ihren Hauptsitz in Chemnitz. Die Fa. Wildberger gehört dem Transportunternehmen Millitzer & Münch in Hof. Treibende Kraft ist der Verwalter (Geschäftsführer) der Holzstoff- und Pappenfabrik Dr. Wildberger Jean Emil Porst.

 

1901

Am 31. 10. 1901 wird die evangelische Kirche in Spiegelau 16 Jahre vor der katholischen Kirche eingeweiht.

 

Im gleichen Jahr (am 19. 12.1901) wird die Errichtung einer Expositur in Spiegelau beantragt. "Was die ("die Evangelischen") können, können wir auch", sagen die katholischen Einwohner Spiegelaus. Es wird allerdings noch einige Jahre dauern, bis Spiegelau eine katholische Kirche erhält. Bis dahin muß man sich ab 1908 mit einer Notkirche begnügen.

 

Am 8.7.1901 wird Josef Möginger, bekannt als "Rachel-Sepp" geboren. Er hat den Rachel mehr als 300 mal erstiegen und kennt ihn wie seine Westentasche. Er ist Gründer und Motor der "Spiegelauer Waldvögel" und Goldfinkenpreisträger. Der Rachel-Sepp stirbt am 21.1.1992.

 

 

1902

Das erste Schulhaus entsteht. Rupert Keglmaier ist der erste Lehrer in der neuen Spiegelauer Schule.  Im neuen Schulhaus besteht auch ein erster Raum für "Registratur und Gemeindezwecke". Ein Vorläufer des Rathauses?

 

Die Frage nach einem Fußballclub wird laut. Es kommt aber noch nicht zu einer offiziellen Gründung. 

 

Am 8.2.1902 wird der Katholische Kirchenbauverein Spiegelau als Nr. 4 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Grafenau eingetragen.

 

 

1905

Am 26.12.1905 wird in Viechtach Lorenz Moser geboren. Er ist einer der letzten Lokomotivführer der Waldbahn.  

 

Der Architekt Eckmiller aus München schickt am 15.11.1905 einen Bericht über die Planung der Spiegelauer katholischen Pfarrkirche an die Pfarrei Oberkreuzberg. Dort ist von 402 Sitzplätzen die Rede. Die Kosten werden auf 33.360,- Mark für den überbauten Raum geschätzt.

 

Josef Stangl jun. stirbt in diesem Jahr. Der Grundbesitz wird aufgeteilt und an 14 Interessenten verkauft. Sein Schwager Max Rosenberger betreibt die Glashütte in Pacht weiter.

 

Der Rachelgipfel erhält  sein erstes Gipfelkreuz mit Christusfigur. Am 8.8. ist die Einweihung durch Pfarrer Duschl bei einem Bergfest.

 

 

1906

Der Ort erhält eine Hochdruckwasserleitung. Einige Brunnen müssen trotzdem in Betrieb bleiben.

 

 

1907

Die erste Apotheke wird eröffnet. Sie ist eine Filialapotheke des Apothekers Franz Xaver Schreindl aus Grafenau.

 

Am. 5.1.1907 wird ein Ortsbeleuchtungsverein gegründet. 280 Mark werden in einen Fond eingezahlt. Im folgenden Jahr entschließt sich die Gemeinde dann doch, die Beleuchtung selbst in die Hand zu nehmen. Der Verein wird daraufhin wieder aufgelöst. 

 

 

1908

Die Gemeinde beginnt eine Straßenbeleuchtung einzurichten. Am 5.11. um 8. Uhr wird die elektrische Straßenbeleuchtung feierlich eröffnet. 32 Hausbesitzer haben sich angeschlossen!  

Am 14.10.1908 erhält Spiegelau mit Johann Ev. Schweikl (geb. 21.11.1880 , gest.  11.12.52) den ersten eigenen Seelsorgegeistlichen. (WzKirch)

 

Im November 1908 wird der "Stanglssaal" zur Spiegelauer Notkirche bestimmt.  (WzKirch) Ab 1912 einigte man sich mit der evangelischen Gemeinde, die evangelische Kirche mitbenutzen zu dürfen. 

 

Die Speditionsfirma Millitzer und Münch aus Hof erwirbt die Glashütte.

 

 

1909

Die Spiegelauer Waldbahn wird gebaut. Zunächst werden 32 km mit 600 mm Spurweite vom Staatsbahnhof Spiegelau nach Mauth in Betrieb genommen. Eine Stichbahn wird zur St. Oswalder Diensthütte eingerichtet. Zeitweise beträgt die Streckenlänge 100 km. 

 

Konrad Wilsdorf (ein Neffe des bisherigen Inhabers) erwirbt das Petzold'sche Sägewerk.

 

Anton Hilz und Ferdinand Dallmeyer kaufen die Glashütte und modernisieren sie. Hilz wird von seinem Teilhaber hintergangen. Beide gehen in Konkurs.

 

1911

Am 3. November 1911 wird der Männergesangsverein Spiegelau  gegründet.

 

Am 26.11.1911 wird der neue Friedhof eingeweiht. Die erste Beerdigung hat schon am 8.11.1911 stattgefunden. Zu Grabe getragen wurde die am 6. November verstorbene Maria Friedl. 

 

Die zunächst in Nürnberg und später in München ansäßige Firma Zucker siedelt sich in Spiegelau an und betreibt die Zucker’sche Dampfsäge. (ab 1939 Reinert, später Bartels-Werke)

 

 

1912

Fa. Zucker baut die oberhalb der Zucker´schen Dampfsäge stehende “Villa”. Später wird das mehrstöckige Villengebäude von der Fa. Reinert im Zuge der Arisierung mitsamt der Dampfsäge übernommen. Die "Zucker-Villa" ist in Holzblockbauweise auf einem Natursteinfundament errichtet.

 

Die Waldvereinssektion Spiegelau erbaut ein Schutzhaus unterhalb des Rachelgipfels. Das Haus erhält den Namen des bayerischen Heimatdichters und Hofrats Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt. Am 1.12.12 wird das Waldschmidt-Haus eingeweiht.

 

Millitzer und Münch ersteigern die Glashütte aus der Konkursmasse von Dallmayr und Hilz.

 

Am 12.1.1912 sind Reichstagswahlen, die  Spiegelauer stimmen  ab:

Zentrumspartei:            77 Stimmen

Sozialdemokraten:        65 Stimmen

Liberale                         19 Stimmen

Am 5.2.1912  sind Landtagswahlen:

Zentrum:                       65

Sozialdemokraten                   25

Liberale                         18 

 

 

1913

Noch Anfang Januar 1913 ist die ganze Gegend ohne Schnee. 

 

Die Glashütte wird vom neuen Eigentümer stillgelegt.

 

 

1914

Am 14. Juni 1914 ist die Grundsteinlegung der katholischen Kirche.

Man erzählt, das Grundstück wäre vom Vergolder der Glasfabrik gestiftet worden. Daher der Name “Vergolderriegel”. Tatsächlich stammte das Grundstück aus dem Stangl’schen Besitz und wurde von seinen Erben an den Kirchenbauverein verkauft. 1908 fand vor dem Grafenauer Notar Heinrich Eckel die Verbriefung statt. 

 

In Spiegelau wird nun endgültig ein Gendarmerieposten eingerichtet. Bisher gab es nur ein Provisorium.

 

Am 1.8.1914 um 19.45 Uhr: Bekanntmachung der Mobilmachung. Ansprache eines sächsischen Feriengastes an die Spiegelauer. Es werden die Lieder “Deutschland, Deutschland über alles” und “Die Wacht am Rhein” gesungen.

 

111 Spiegelauer müssen in den unseligen Krieg ziehen. Viele von ihnen kehren nicht, manche verwundet oder als Invaliden zurück.

 

Für den Kirchenbau müssen Frauen und Jugendliche Hand- und Spanndienste leisten.

 

 

1916

Die katholische Kirche wird fertiggestellt.

13.12. Umzug aus der Notkirche und Segnung des Inneren der neuen Kirche 14.12. Übertragung des Allerheiligsten

15.12. Erstes feierliches Rorate

 17.12. Erste Taufe

 24.12. Erster Leichen-Gottesdienst.

Eingeweiht wird die Kirche erst 1924 durch Bischof Sigismund Felix von Ow.

Man erzählt, die Einweihung wäre vorher mit der Begründung verweigert worden, die Pfarrgemeinde solle erst ihre Schulden bezahlen.

 

 

 

1917

Am 25. Juni 1917 wird Spiegelau zur Pfarrei erhoben  (Genehmigung schon am 14. Januar 1917)

 

 

1918

6. November 1918:  Waffenstillstand an der Front

 

Am  7.11.1918 findet die Revolution in Deutschland statt. Kaiser Wilhelm II., König von Preußen, dankt ab. König Ludwig III. von Bayern wird zur Ausreise gezwungen, dankt aber nicht ab. Er entbindet am 13.11.1918 die Beamten- und Soldaten von ihrem Eid. In München wird die Räterepublik ausgerufen.

 

 

1919

In Weimar gibt die Deutsche Nationalversammlung der ersten Deutschen Republik eine Verfassung.

 

Bei den Bayerischen Nationalwahlen kommt es zu folgenden Ergebnissen in Spiegelau:

Bayer. Volkspartei:                 269

Mehrheits-Sozialisten            158

Demokraten                           19

Eisner                                     2

 

21.2.19 Kurt Eisner wird ermordet, Das von der Regierung angeordnete Trauergeläut wird vom Pfarrer verweigert.

 

Die seit dem Jahr 1913 still stehende Glasfabrik wird von dem Nürnberger Bing-Konzern (bekannt als einer der größten Spielzeughersteller der Welt) erworben und wieder betrieben. Als Geschäftsführer ist Fritz Pretzfelder, (geb. 5.1.1878 in Nürnberg) tätig.

 

 

1920

Am 6. Juni 1920  sind Reichstagswahlen

Die Spiegelauer Wahlergebnisse:

Bayerische Volkspartei           178

Mehrheits-Sozialisten            91

Unabhängige                          104

Demokraten                           15

 

Landtagswahlen:

Bayerische Volkspartei           172

Mehrheits-Sozialisten            98

Unabhängige                          83

Demokraten                           24 

 

Eine Zählung beim Sonntagsgottesdienst ergibt 260 Personen.

 

Ein neuer Schulbau wird beantragt.

 

1921

Ein Arbeitersportverein soll gegründet werden.

 

Am 11.8.1921 entsteht ein großer Waldbrand oberhalb Zucker-Dampfsäge.

 

 

1922

Das neue Schulgebäude wird errichtet. Es steht an der späteren Schulstraße. 1951/52 wird umgebaut und vergrößert. Seit 1990 ist die Zivildienstschule dort untergebracht.

 

 

1923

Die Inflation ist auf ihrem Höhepunkt und macht allen zu schaffen. 1 US-Doller ist jetzt 4,2 Billionen ( 4.200.000.000.000,00) ! Mark wert. Der geschäftstüchtige Kommerzienrat Dr. Konrad Wilsdorf hat eine gute Idee. Er lässt, wie viele Firmen und Gemeinden damals, eigenes Notgeld drucken und prägen. Damit schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Er braucht sich nicht mehr um die Beschaffung von Unmengen Geld für seine Löhne zu sorgen. Und seine Arbeiter können ihren Verdienst nur noch im betriebseigenen Laden ausgeben. So bleibt das Geld im Haus.

 

Im gleichen Jahr brennt die Holzwarenfabrik Ernst Petzold jr. (Inhaber: Dr. Konrad Wilsdorf) ab und muß zeitweise schließen. 150 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit. Der oder die Täter werden nicht gefasst. Das Gerücht, es handle sich um einen Racheakt, kommt erst sehr viel später auf.

 

Am 8.12.1923 wurde eine junge Frau von ihrem Liebhaber aus Unachtsamkeit erschossen. Da man der Frau einen “liederlichen Lebenswandel” nachsagte, wurde dies als Strafgericht Gottes angesehen. 

 

Am 25.12.1923 lag so viel Schnee, daß viele Bewohner nicht zum Weihnachtsgottesdienst kommen konnten.

 

 

1924

Am 19.6.24 wird der Turnverein Spiegelau (TSV Spiegelau) gegründet. 

 

Die katholische Kirche wird durch Bischof von. Ow  eingeweiht.

 

Am 6.4. sind Landtagswahlen in Bayern. Die Spiegelauer stimmen ab:

Vereinigte Sozialdemokraten (SPD)          163

Völkischer Block                                       75

Bayerische Volkspartei (BVP)                    29

Beamtenpartei                                          4

Nationale Rechte                                       9

Bayer. Bauern- und Mittelstandspartei    1

 

Im Mai 1924 sind Reichstagswahlen. Die Spiegelauer Wahlergebnisse:

Vereinigte Sozialdemokraten (SPD)          95

Völkischer Block                                       55

Bayer. Volkspartei         (BVP)                                     35

Deutschnationale Partei         (DNVP)                14

Kommunisten (KPD)                                 9

Deutscher Block in Bayern                       4

Bayer. Bauern- u. Mittelstandsbund                  2

Unabhängige Sozialdemokraten (USPD)   2

Nationale Freiheitspartei                                    2

Deutsche Volkspartei    (DVP)                   1

Zentrum                                                    1   

Im Dezember 1924 sind wieder Reichstagswahlen. Ergebnisse in Spiegelau:

Sozialdemokraten         (SPD)                             147

Völkischer Block                                       9

Bayerische Volkspartei (BVP)                    50

Deutschnationale Volkspartei (DNVP)       49

Kommunisten (KPD)                                 5

Deutscher Block in Bayern                       4

Unabhängige Sozialdemokraten (USPD)   3

Aufwertungspartei                           4

Deutsche Volkspartei                       7

Deutsche Demokratische Partei      6 

 

 

1925

Am 11.8.1925 ziehen von der Donau her schwarz-gelbe Gewitterwolken. Gegen 20.30 bricht ein Gewittersturm los, der allein im Bereich des Forstamts Spiegelau ca. 70.000 Festmeter Holz wirft. Der Sturm ist so stark, daß der Hausflur im Pfarrhaus trotz geschlossener Tür innerhalb von Minuten überflutet ist. Dazu blitzt und donnert es unentwegt. Einigen Spiegelauer Geschäftsleuten entsteht hoher Schaden.

 

Am 8.6.1925 wird die freiwillige Sanitätskolonne Spiegelau gegründet.

 

Bei der Reichspräsidentenwahl am 26.4.1925 kam es in Spiegelau u.a. zu folgenden Ergebnissen:

Hindenburg         Marx  (SPD)         Thälmann (KPD)  Wahlbeteiligung

142 Stimmen       64 Stimmen                  2 Stimmen           53%          

 

 

1926

Fritz Pretzfelder erwirbt die Glasfabrik von der notleidenden Firma Bing und wandelt sie in eine GmbH um. Die Kristallglasfabrik Spiegelau GMBH (KSS) ist gegründet.

 

Die Spiegelauer Waldbahn hat 41 km Gleisstrecke. Dazu kommen etliche Kilometer fliegende Gleise. Der Stundenlohn bei der Waldbahn liegt für Schlosser bei 47 Pfennigen. 

 

Eine Arbeitslosenmeldestelle wird eingerichtet. 

 

Das neue Spritzenhaus der FFW in Spiegelau wird eingeweiht. 

 

Der Männergesangsverein wird zu neuem Leben erweckt. Der Hochw. Herr Kooperator Karl Miedl sammelt die sangesfreudigen Spiegelauer wieder um sich.

 

 

1927

In Person des Dentisten Fritz Schießl erhält Spiegelau seinen ersten Zahnarzt. (Chr)

 

Im Oktober 1927 ist der Rohbau des Kinderheims fertig. Von versprochenen 45.000 Mark aus dem “Osthilfeprogramm” der Regierung hat man nur 25.000M erhalten. Der Chronist schreibt: "Herr hilf weiter!” 

 

Im September werden auf dem Friedhof mehrere Engelsfiguren gestohlen. Die Täter scheinen Profis zu sein.

 

Es sind 1927 insgesamt 300 Personen in der Glasfabrikation beschäftigt.

Fritz Pretzfelder,von 1920 bis 1933 Vorsitzender der Bayerischen Hohlglasindustrie, Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes der deutschen Hohlglasindustrie, Präsidiumsmitglied des Verbandes der Glasindustriellen Deutschlands, dem wirtschaftlichen Spitzenverband der deutschen Glasindustrie, Sachverständiger der Reichsregierung für Handelsvertragsverhandlungen mit fremden Staaten, wird zum Kommerzienrat ernannt.

 

 

1928

Wieder gab es im Dezember nur zwei bis drei Tage eine Handvoll Schnee. Am 4. Januar schneit es dann endlich, es regnet aber drein und alles ist wieder aufgeweicht. Die Holzzieher können ihre Arbeit nicht tun.

 

Im Sommer (Juni) grassiert eine schwere Typhus-Epidemie, der mehrere Menschen zum Opfer fallen. Ein Notlazarett wird im Schulhaus Riedlhütte eingerichtet.

 

Das Dampfsägewerk Hackinger wird gegründet. 

 

 

1929

Am 4. Juli 1929 richtet ein verheerender Orkan richtet im Bereich Spiegelau (wie im ganzen Bayerischen Wald) großen Schaden im Wald an.

 

Eine Motorspritze wird für die Freiwillige Feuerwehr angeschafft. Es gibt aber Probleme mit der Bezahlung.

 

 

1931

Dr. Konrad Wilsdorf schenkt unter Auflagen der Gemeinde Spiegelau einen Sportplatz mit Ausstattung. (Heute der "Alte Sportplatz")

 

 

1932

627 Arbeitslose (bisherige Höchstzahl) sind registriert.

 

Bei den Reichspräsidentenwahl am 10.4.1932 kam es u.a. zu folgenden Ergebnissen:

Hindenburg                  Hitler (NSDAP)     Thälmann (KPD)  Wahlbeteiligung 

301 Stimmen       57 Stimmen                  41 Stimmen                            88%        

 

 

1933

22.1.33 Ein Mann von Jägerfleck wird von einem anderen ebenfalls von Jägerfleck erstochen. Der Täter erhält als Jugendstrafe zehn Jahre Zuchthaus. 

 

Am 30.1.1933 wird Hitler Reichskanzler.

 

Bei den letzten Reichstagswahlen  am 5.3.1933 kam es in Spiegelau zu folgenden Ergebnissen:

(565 Wahlberechtigte, 490 abgegebene gültige Stimmen)

SPD   Deutschnat.    Deutsche        KPD  Bayer. Volkspartei   NSDAP  

           Volkspartei     Volkspartei

264             0                 3                 46               69                    86        

 

Im Vergleich dazu die vorherigen Wahlen vom 6.11.1932

(558 Wahlberechtigte, 390 abgegebene gültige Stimmen):

SPD   Deutschnat.    Deutsche        KPD  Bayer. Volkspartei    NSDAP  

                    Volkspartei     Volkspartei

212             0                 10               75               63                     24 

 

Die demokratisch gewählten Gemeinderäte und Bürgermeister werden durch Parteigenossen ersetzt. Die Kreisleitung der NSDAP bestimmt Stefan Zebhauser als 1. Bürgermeister.

 

 

1934

Die Kleinsiedlung (Bahnhofsiedlung) hinter dem Spiegelauer Bahnhof kann im Oktober 1934 bezogen werden.

 

 

1936

Bürgermeister Zebhauser hat mit der Finanzierung der Spiegelauer Kleinsiedlung zu kämpfen. Außerdem muß der sich darum kümmern, ob die neuen Siedler ihren Pflichten nachkommen oder wieder aus den Häusern ausziehen müssen. 

 

 

1938

Spiegelau verfügt über sieben Industriebetriebe mit insgesamt 572 Arbeitsplätzen.

 

 

1939

Die jüdischen Besitztümer in Spiegelau werden "arisiert", d.h. die Eigentümer werden teilweise unter Gewaltanwendung gezwungen, ihre Firmen weit unter ihrem tatsächlichen Wert an parteitreue "arische" Geschäftsleute abzugeben. Die Firma Reinert übernimmt die Dampfsäge Zucker. Die Spiegelauer Kristallglasfabrik wird von Kommerzienrat Pretzfelder unter "Vermittlung der NSDAP" an die Herren Paul Beate und Hans von  Schöppenthau "verkauft". Vom "Verkaufserlös werden 25% als "Fluchtsteuer" einbehalten. Der Rest der Kaufsumme wird auf ein Sperrkonto einbezahlt, auf das die Eigentümer erst nach der Ausreise (also keinen) Zugriff haben. Dem Ehepaar Pretzfelder gelingt in letzter Minute die Flucht nach England. Ihr Sohn war schon zwei Jahre vorher über England in die USA emigriert. Der Bruder Max Pretzfelder und ein großer Teil der weiteren Familie Pretzfelder haben nicht so viel Glück. Sie werden in Theresienstadt und anderen Lagern ermordet.

 

In Spiegelau werden 157 Rundfunkgeräte gezählt.  

 

 

1941

Vom 12.-14. Nov. 41 entwurzelt ein Orkan mehr als 12.000 Festmeter Wald. Mangels Arbeitskräften müssen die Stämme bis zum Frühjahr 1942 liegenbleiben. 

 

Ein Gemeindeangestellter des mittleren Dienstes erhält monatlich 479,90 RM ausbezahlt. Damit kann er keine großen Sprünge machen. Oft muß ein Vorschuß beantragt werden.

 

 

1943

Der verdiente prakt. Arzt Dr. Geiger (er leitete u.a. auch die Sanitätskolonne Spiegelau) wird wegen eines Ausspruchs denunziert und infolge dessen am 1.11.1943 wegen “Wehrkraftzersetzung” in Berlin hingerichtet. 

 

Dr. Konrad Wilsdorf überläßt seine Firma dem Deutschen Reich bzw. dem Land Bayern mit Urkunde vom 8. Juli 1943 (Archiv Staatl. Sägewerk). Die Grundstücke übereignet er unentgeltlich gegen diverse Dienstbarkeiten und Schuldenerlass, für die eigentliche Fabrik mit den Maschinen erhält er ein angemessenes Entgelt. Das Sägewerk beginnt am 1.1.1944 wieder mit seiner Arbeit und besteht bis zu seiner Stillegung 1999 im Eigentum des Freistaats Bayern.

 

Die Viehzählung am 3.12.1943 in Spiegelau, Jägerfleck und Neuhütte

erbrachte:

3 Pferde, 59 Stück Rindvieh, 10 Schafe, 68 Ziegen, 12 Schweine,

272 Kaninchen, 635 Hühner, 94 Gänse, 42 Enten, 37 Truthühner,

1 Bienenvolk. 

 

 

1945

Der erste Bürgermeister in Spiegelau nach dem Krieg von 1945 bis 1947 ist Christian Bauer. Er wird noch von der amerikanischen Militärregierung eingesetzt.

 

Nach einer Pause von einigen Monaten beginnt im Oktober 1945 der Schulbetrieb wieder.

 

 

1946

Wolfgang Genosko wird neuer Kommandant der FFW Spiegelau.

 

 

1947

Ludwig Wurzer kommt als Lehrer nach Spiegelau. Noch im gleichen Jahr wird er Schulleiter. 25 Jahre lang wird er die Geschicke der Schule lenken.

Ihm verdankt Spiegelau auch viele chronistische Aufzeichnungen über die Pfarrgemeinde, die Schule, den Männergesangverein, die Feuerwehr und die Entstehung des Nationalparks Bayerischer Wald.

 

Bei den ersten Kommunalwahlen nach dem Krieg wird Johann Stadler sen. (SPD) zum Bürgermeister gewählt. Er bleibt es bis 1955. Ihm folgen Erich Mock (SPD) von 1955-1978, Johann Stadler jun. (CSU) von 1978-1996 und Josef Luksch (SPD) ab 1996.

 

 

1948

Am 5. Mai 1948 findet die Neugründungsversammlung des Männergesangvereins Spiegelau (MGV)  statt.

Kommerzienrat Pretzfelder beantragt am 29. Dezember die Rückgabe seines Eigentums. Trotz der eindeutigen Sachlage dauert es fast ein ganzes Jahr, bis die  Angelegenheit geregelt ist.

 

 

1949

Von 1949 bis 1951 wird der Friedhof erweitert. Dabei fällt der Waldbestand. Die Arbeit wird teilweise freiwillig von Arbeitslosen geleistet.

 

Am 28. November 1949 werden Paul Beate, sowie Hans und Ruth von Schöppenthau  ihrer Funktionen Gesellschafter der KSS enthoben und Kommerzienrat Pretzfelder, der in England seinen dort schwer ausprechlichen Namen in Preston geändert hat, erhält seine Glasfabrik zurück. Durch seinen unternehmerischen Einsatz blüht das völlig heruntergekommene Werk unter dem Direktor Danzmann wieder auf. Innerhalb kürzester Zeit verdreifacht sich die Belegschaft von 240 auf 620 Beschäftigte.

 

 

1950 - 2000

1951

Die Rachelkapelle, die nach dem Krieg abgebrannt war, wird wieder aufgebaut.

 

Das Rachelkreuz wird zum zweitenmal erneuert. Die zerbrochene Christusfigur wird instandgesetzt.

 

Die zweite Schule von 1922  wird zu klein und wird um ein Stockwerk und ein weiteres Dachgeschoß aufgestockt.  

 

Im August (10.8.51) beschließt die Vorstandschaft des TSV  Spiegelau (1.Vorsitzender Ludwig Wurzer) statt der bisherigen kleinen Waldfeste eine dem "größten Industrieort im mittleren Bayerischen Wald" angemessene Attraktion ins Leben zu rufen. Das erste "Spiegelauer Volksfest" ist geboren.

 

 

1953

Spiegelauer Waldbahn: Ein 7 km langes neues Teilstreckenstück "Obere Scheerstrecke" wird gebaut.

 

Am 5.1.1953 verleiht die Gemeinde Spiegelau (bzw. Klingenbrunn) Herrn Kommerzienrat Fritz Pretzfelder das Ehrenbürgerrecht.

Die Gemeindeverwaltung (Gemeindekanzlei und Sitzungssaal) ist ab nun in der "alten" Schule von 1902 untergebracht. Bisher hatte sie nur einen Raum dort gehabt. Die Gemeindeverwaltung war bis dahin im alten Schulhaus in Klingenbrunn. Außerdem sind noch die Kreissparkasse und drei Wohnungen in dem Gebäude.

Von 1953 bis 1998 dient das Spiegelauer Schulhaus von 1902 als "Rathaus".

 

 

1955

Bei den Bürgermeisterwahlen wird Erich Mock (SPD) gewählt. Er bleibt bis 1978 im Amt.

 

Eine Massenschlägerei beim Volksfest beschäftigt zwei Jahre lang die Gerichte.

Sieben Angeklagte werden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

 

1958
Am 21. 2.1958 wird Kommerzienrat Fritz  Pretzfelder wegen seiner Verdienste das Bundesverdienstkreuz I. Klasse verliehen. Aus diesem Anlass spendet er 200.000 Mark für die betriebseigene Unterstützungskasse.

1959

Ein wichtiges Datum für Spiegelau. Der Name der Gemeinde, die bisher Klingenbrunn hieß wird mit Wirkung vom 14.8.1959 in Spiegelau umgeändert. Der Name Klingenbrunn bleibt als Gemeindeteilname erhalten.

Zu Spiegelau gehören jetzt die Gemeindeteile Spiegelau, Althütte, Flanitzhütte, Hauswald, Jägerfleck, Klingenbrunn, Kronreuth, Neuhütte, Ochsenkopf, Reinhardschlag und Sommerau. Später wird die Gemeinde nochmals vergrößert. Es kommt 1963 der Gemeindeteil  List von Oberkreuzberg dazu. 1978 wurde Oberkreuzberg mit allen Gemeindeteilen und Pronfelden eingemeindet.

 

1960

Am 11. Mai fährt Lorenz Moser die letzte Ladung Holz auf der Waldbahn nach Spiegelau. 

 

 

1961

Am 12. August 1961 wirft eine gewaltige Windhose 5000 Festmeter Holz im Bereich der Graupsäge. 

 

Kommerzienrat Preston (bis zu seiner erzwungenen Emigration Pretzfelder) stirbt am 31.10.1961 in einer Münchner Klinik. Seine Frau Klara war bereits am 17. Juni 1959 verstorben.

 

 

1962

Kommerzienrat Dr. Konrad Wilsdorf stirbt in diesem Jahr. Er überließ sein Sägewerk 1943 dem Deutschen Reich bzw. dem Land Bayern. Heute ist es im Besitz des Freistaates Bayern und damit das einzige staatliche Sägewerk. Eine Straße wird nach dem Tod nach Wilsdorf  benannt.

 

Spiegelau erhält ein eigenes Wappen.

 

Am 17.7.1962 stirbt direktor Willy Danzmann im Alter von 53 Jahren. Die Kristallglasfabrik Spiegelau wird von den Erben Kommerzienrat Pretzfelders an eine westdeutsche Filiale der Württembergischen Metallwarenfabrik verkauft. Diese veräußert das Werk 1963 an die Fahrrad- und Metallwarenfabrik Union Sils von de Loo& Co in Fröndenberg/Ruhr. 

  

1963

Der Ortsteil „List“, bisher bei Oberkreuzberg, wird am 1.1.63 eingemeindet.

 

Die Pflichtmüllabfuhr wird eingeführt. Schluß mit dem Müll im Wald.

 

Bei der Schule wird noch einen Anbau mit einer Turnhalle und zwei Klassenzimmern in Angriff genommen.

 

Zwischen Rachel und Lusen stürzen am  20. Juni 1963 zwei tschechische MIG 15 bei schlechtem Wetter in den Hochwald.

 

1964

 

Im März 1964 erhalten die Spiegelauer Straßen Namen. Rektor Wurzer erarbeitet die Vorschläge.

 

Die FFW bekommt ein neues Löschfahrzeug (TLF 16). 

 

Am 1.9.64 wird die neu an die Schule angebaute Turnhalle mit zwei aufgesetzten Klassenzimmern fertiggestellt und eingeweiht.

 

 

 

1966

Am 8.11.1966 wird in Spiegelau die neue Kriegergedächtnisstätte als symbolisches Grab für alle Kriegsopfer geweiht. Der trauernde Soldat aus Granit vom alten Kriegerdenkmal bei der Sparkasse liegt noch einige Jahre hinter einem Schuppen.

 

 

1967

Der dringend notwendig gewordene Bau der neuen Straße nach Neuhütte und Jägerfleck wird begonnen. Die Straße wird 1968 bis nach Neuhütte und 1969 nach Jägerfleck fertiggestellt. Eine alte Lindenallee muß gefällt werden.

 

Frau Reinsberger aus Schönberg schenkt der Gemeinde ein Grundstück zum Bau der Spiegelauer Kläranlage.

 

Die Gemeinde Spiegelau wird Gründungsmitglied des “Zweckverbandes zur Förderung des Projekts eines Nationalparks Bayerischer Wald”.

 

 

1968

Die Eissportanlage in Spiegelau wird fertiggestellt.

Am 17.9.68 wird das neue Turmkreuz der katholischen Kirche geweiht und aufgesteckt.

 

 

1969

Der Fremdenverkehrsverein Spiegelau wird gegründet und ins Vereinsregister (Nr.165) eingetragen. Schon 16 Jahre vorher hatte es einen Gründungsversuch gegeben.

 

Das alte Feuerwehrhaus wird abgerissen und neu erbaut. Ein Jahr später ist es fertig. 

 

In Neuhütte wird eine große Vogelvoliere eingerichtet. Später werden Vögel von Kriminellen mit Steinen erschlagen und die Voliere teilweise zerstört.

 

Am 11.9.1969 wird die Straße von Spiegelau nach Jägerfleck über Neuhütte dem Verkehr übergeben.

 

 

1970

Die Renovierung der Spiegelauer Pfarrkirche ist abgeschlossen. Die Innenmalerei übernimmt der akademische Kunstmaler Erich Horndasch.

 

Der Nationalpark Bayerischer Wald wird am 7. Okt. 1970 als erster Nationalpark in Deutschland gegründet.

 

 

1972

Die Rachelkapelle brennt ab, wird aber gleich wieder aufgebaut.

 

Der Zweckverband Abfallwirtschaft ZAW  Donau-Wald wird gegründet. 

 

Der Waldspielplatz  ist fertig und wird an die Kinder übergeben. Ein Jahr lang haben Bedienstete der Nationalparkverwaltung daran gearbeitet. Eine Attraktion für Spiegelau.

 

 

1975

Die Wetterstation Klingenbrunn-Bahnhof wird eingerichtet. 

 

Joachim Ott legt für den Fremdenverkehrsverein Spiegelau eine Dokumentation zur Schaffung eines Kurzentrums in Spiegelau vor. Der Gedanke wird von der Gemeinde zwar aufgegriffen, aber nie verwirklicht.

 

 

1977

Das 100-jährige Bestehen der FFW Spiegelau wird ausgiebig gefeiert. Eine lesenswerte Chronik wird herausgegeben.  

 

 

1978

Die bisher eigenständige und auch ältere Gemeinde Oberkreuzberg mit ihren bisherigen Gemeindeteilen Augrub, Beiwald, Hirschöd, Hirschtalmühle, Hirschschlag, Hochreuth, Holzhammer, Holzmühle, Kirchenberg, Langdorf, Luisenfels, Marienhöhe, Mühlberg, Palmberg, Rehbruck, Reuteck, Ringen, Steinbüchel, Winkelhof, Winkelmühle und Winkelreuth werden im Zuge der Gemeindegebietsreform nach Spiegelau eingegliedert. Im gleichen Zug kommt auch Pronfelden von St. Oswald-Riedlhütte zu Spiegelau.

Johann Stadler (CSU) löst Erich Mock (SPD) als Bürgermeister ab. Er bleibt es bis 1996. Sein Nachfolger wird Josef Luksch (SPD).

 

 

1980

Die Ausschreibung für den Bau der neuen Schule ist in vollem Gang. Das Preisgericht tagt und vergibt den 1. Preis an den Regensburger Architekten Siegfried Dömges. Dieser erhält schließlich auch den Auftrag für die  Bauausführung.

 

 

1982

Im Februar 1982 gehen die "Spiegelauer Holzwerke", früher "Bartels-Werke" in Konkurs. Mitte Dezember des Vorjahres war das Werk bereits stillgelegt worden. Über 100 Arbeiter und Angestellte stehen auf der Straße. Das bittere Ende hat sich allerdings schon seit einigen Jahren angekündigt. 1979 war das Werk, das zu dieser Zeit "Bartels-Ibus-Werke" hieß, vom Eigentümer "Elektrowatt" aus Zürich an die Firma Doblinger in Straubing verkauft worden.

 

Der Grundstein für die neue Schule und die Mehrzweckhalle wird am 23.8.1982 gelegt

 

 

1983

Im August entstehen als Folge eines Sturms große Windwurfflächen im Nationalpark.

 

1984

Im November legt ein Sturm wieder große Flächen im Nationalpark um. Man beschließt,  die Flächen, die inzwischen ca. 173 ha umfassen, nicht “aufzuarbeiten”.

 

Am 15.11.1984 wird die neue Schule eingeweiht. Erste Rektorin ist Frau Anna Reger. Ihr folgt im September 87 Anton Seibold.

 

 

1985

Der Gewerbeverein Spiegelau e.V. wird gegründet. 1. Vorsitzende wird Anna-Christine Zankl. Von 1989 bis 2004 bekleidet Max Schinabeck dieses Amt. 2004 wird Michael Schinabeck zum
1. Vorsitzenden gewählt.

 

 

1986

Im Frühjahr diesen Jahres läßt der Eigentümer des Sägewerks Hackinger der Gemeinde mitteilen, daß er aus Alters- und Wirtschaftlichkeitsgründen die Arbeit im Frühjahr nicht mehr aufnehmen könne. 35 Arbeitnehmer stehen auf der Straße. Ein Versuch, die Firma vom Staatlichen Sägewerk übernehmen zu lassen, scheitert. Zwei Jahre später werden Werk und Gelände versteigert.

 

Am 18.7.1986 wird die neue Mehrzweckhalle eingeweiht. Die erste Veranstaltung, ein Sänger- und Musikantentreffen, hatte bereits am 27.4.1986 stattgefunden.

 

Am 19. und 20.6.1986 findet in Spiegelau das erste Pandurenfest statt. Veranstaltet wird es vom Fremdenverkehrsverein Spiegelau unter dem 1. Vorsitzenden Wolfgang Genosko.

 

Am 7. Dezember 1986 findet der 1. Christkindlmarkt in Spiegelau statt. Veranstaltet wird er durch den Gewerbeverein.

 

 

1990

Die Kristallglasfabrik Spiegelau wird von der Nachtmann Gruppe, einem der führenden Glashersteller Europas, erworben. Es geht wieder aufwärts mit dem Glas in Spiegelau. (Presse)

 

Die Zivildienstschule nimmt am 1. Januar ihre Arbeit auf. Jährlich werden 48 Lehrgänge mit je ca. 100 Teilnehmern abgehalten.

 

In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1990  fallen im Staatlichen Sägewerk ein die Brettersortieranlage und die Schnittholzvorräte einem Brand zum Opfer. Es entsteht ein Schaden von ca.1,5 Mio DM. Brandursache ist Brandstiftung. Ein 18jähriger Spiegelauer wird als Täter festgenommen und gesteht die Tat.

 

 

1992

Am 5. Dezember 1992 stirbt Lorenz Moser, einer der letzten Lokomotivführer der Spiegelauer Waldbahn.

 

Am 27.9.1992 brennt die Stiegenhütte im Nationalpark ab. Es liegt Brandstiftung vor. Der oder die Täter werden nicht ermittelt.

 

 

1994

21.5.: Die hölzerne Diensthütte am Gfällparkplatz fällt einem Brandanschlag zum Opfer. Auch die dort untergestellten Fahrzeuge des Rachelwirts Hans Genosko werden zerstört. Fast gleichzeitig wird auch die Aussichtsplattform beim Wintergatter an der Neuhüttenwiese ein Raub der Flammen. Es liegt ebenfalls Brandstiftung vor. Der oder die Täter werden nicht gefaßt.

 

 

1995

Anläßlich der 25-Jahr-Feier des Nationalparks werden in Spiegelau der Naturerlebnispfad beim Waldspielplatz und der Kur- und Gemeindepark ihrer Bestimmung übergeben. Der Gemeindepark wurde auf dem Gelände der früheren Bartels-Werke  eingerichtet. Das teilweise verseuchte Erdreich wird abgetragen, Fundamente gesprengt, so daß man drei künstliche Seen anlegen kann, durch die Schwarzachwasser fließt. Der Park wird landschaftsgärtnerisch gestaltet und bekommt auch einen Zugang zur erneuerten Kneipp-Anlage.

Im Winter ist eine kleine Rundloipe eingerichtet. Die Wege werden nachts beleuchtet.

 

Der “Seelensteig” wird eingerichtet und eröffnet. Er soll Interessierten den Kreislauf von Werden und Vergehen im Wald erlebbar und sichtbar machen.

 

Auf einen Tag genau ein Jahr nach dem letztjährigen Brandanschlag auf Einrichtungen des Nationalparks wird das Bürogebäude der Nationalparkwacht am 21.5.95 in Brand gesteckt. Der oder die Täter werden nicht gefaßt.

 

Im Sommer 1995 setzen sich der Spiegelauer Gewerbeverein (Vorsitzender: Max Schinabeck) und der Fremdenverkehrsverein (Vorsitzender: Kurt Hobelsberger) zusammen und beschließen, gemeinsam eine Gemdeindezeitung herauszubringen. Im Herbst erscheint die erste Ausgabe. Der Name ist “Spiegelauer Glasmacher”.

 

 

1996

10. März 1996: Spiegelau erinnert sich einer alten Tradition und wählt wieder rot. Die Bürgermeisterwahlen bringen dem Kandidaten der SPD Josef Luksch einen überwältigenden Wahlsieg.

 

Die Zahlen:

Wahlberechtigte: 3.463

Wähler:                2.708

Gültige Stimmen:          2.685

Davon entfallen auf:

Josef Luksch (SPD)                          1.642 Stimmen = 61,15%      

Eckhard Sicker (CSU)             654   Stimmen = 24,36%      

Harald Frank (ÜPG)                         389   Stimmen = 14,49%      

 

Die Gemeinderatswahlen ergeben für die

SPD   16.429 Stimmen (41,4%) = 7 Sitze 

CSU  10.386 Stimmen (26,2%)= 4 Sitze  

ÜPG  6.878  Stimmen (17,3%) = 3 Sitze  

FW    5.987  Stimmen (15,1%) = 2 Sitze  

Es werden von 2.706 Wählern 2.631 gültige Stimmzettel mit insgesamt 39.681 Stimmen abgegeben.

 

Am 15. Mai 1996 wird der Startschuß für ein in Deutschland einmaliges Nahverkehrssystem gegeben. Die "Igelbusse" werden eingeführt. In Spiegelau wird ein großer zentraler Parkplatz mit Toilettenanlagen eingerichtet.

 

Im November 1996 erhält Spiegelau endlich einen neuen Friedhof.

 

Der Rachel erhält wieder ein neues Gipfelkreuz. Am 24. August werden die Einzelteile auf den Gipfel geschafft und zusammengebaut. Als Material wird gut gelagertes Eichenholz verwendet. Am 3.10.1996 findet die Einweihung statt.

 

 

1997

Am 19. Juli 1997 eröffnet Bundeskanzler Kohl in Spiegelau die Glasstraße. Damit soll ein weiterer Anziehungspunkt für den Tourismus und die Glasindustrie des Bayerischen Waldes entstehen. Es regnet wie aus Eimern und die Veranstaltung muß statt im Gemeindepark in der Mehrzweckhalle stattfinden.

 

Der Fremdenverkehrsverein Spiegelau bringt eine spezielle Gästezeitung ("Der Wolpertinger") heraus.

 

 

1998

Spiegelau bekommt eine neues Rathaus. Die Gemeinde erwirbt die ehemalige Pension Sigl. Der Umzug findet im Sommer statt. 45 Jahre lang (seit 1953) war die Gemeindeverwaltung im alten Schulhaus von 1902 untergebracht. Die baulichen Mängel (Schimmel u.a.) machten einen weiteren Verbleib unmöglich.

 

Am Freitag, den 5.6.98 muß die Spiegelauer Feuerwehr zu einem ihrer größten Einsätze ausrücken. Gegen 21.10 bricht in der Säurepolieranlage der Glasfabrik Nachtmann Riedlhütte ein Brand aus. Der Feuerschein und eine gewaltige schwarze Rauchwolke sind kilometerweit zu sehen. Es entstehen giftige Dämpfe. 14 Feuerwehrmänner werden verletzt oder erleiden Rauchvergiftungen. Der Schaden beträgt über 25 Milionen DM. Ca. 350 Feuerwehrleute , 48 Sanitäter und sieben Ärzte aus dem ganzen Landkreis sind beteiligt.

 

 

1999

Der 1. Juni 1999 bringt nichts Gutes für die 20 Beschäftigten des staatlichen Sägewerks in Spiegelau. Am Vormittag erhalten sie die Nachricht, daß ihr Betrieb zum Monatsende endgültig geschlossen wird. Trotz Modernisierung und Investitionen von 4,5 Mio DM fuhr der Betrieb jedes Jahr größere Verluste ein. 1998 waren es schließlich 700 000 DM, die der Steuerzahler hier zuschießen mußte.

Der Verdrängungswettbewerb in der Holzindustrie, der bereits seit Jahrzehnten besteht, hatte zu dem schlechten Ergebnis geführt. Man hätte natürlich mit weiteren Zuschüssen bzw. Subventionen weiter machen können. Der Freistaat begründet den Verzicht auf die Weiterführung mit Steuermitteln auch damit, nicht auf Steuerzahlerkosten den kleinen und mittelständischen Sägewerken im Umland weitere Konkurrenz erwachsen zu lassen und diese auch noch in den Ruin zu treiben.

 

 

2000

Im Herbst wird die vom Bayer.-Waldverein Sektion Spiegelau in zweijähriger Arbeit generalrenovierte Rachelkapelle wieder eingeweiht. Damit steht praktisch die vierte Kapelle an dieser Stelle.

 

 

2002

3. März 2002 – Kommunalwahlen in Spiegelau:

Bei einer Wahlbeteiligung von 62,5% erhalten die

CSU 36,1%, die SPD 35,8%, die Freien Wähler 20% und die ÜPG 8,1% der gültigen Stimmen.

Damit sind die CSU mit 6, die SPD mit 6, die Freien Wähler mit 3 und die ÜPG mit 1 Sitz im Spiegelauer Gemeinderat vertreten.

Bürgermeister Josef Luksch erhielt 40 Stimmen mehr als 1996 und wurde mit 87% der Stimmen wieder gewählt.

Im Gemeinderat sind

für die CSU:

Anton Seibold, Peter Hinterberger, Siegfried Klante, Kurt Zettl, Alois Loibl und Daniela Stern,

für die SPD:

Hermann Eisch, Georg Friedl, Erich Bachmann, Elke Proßer-Greß, Günther Schmid und Ernst Ertl,

für die freien Wähler:

Erhard Wawrzek, Ludwig Schopf und Beate Rolli,

für die ÜPG:

Harald Frank.

 

12. August 2002: „Land unter“

Durch starken Dauerregen stieg der Pegel der Schwarzach beim Kurpark (Waldbahnkiosk) bis über das Brückengeländer. Schließlich wurden die an der Industriestraße gelegenen Betriebe und das Gelände der Glasfabriküberschwemmt. Nur mit einem Großeinsatz konnte die Feuerwehr noch größeren Schaden abwehren.

 

 

2003
17. Juli 2003: Gemeinde kauft das Sägewerk-Gelände für 180 000 Euro vom Freistaat Bayern. Auf dem fast 49 000 Quadratmeter großen Grundstück des früheren Staatlichen Sägewerks soll der neue Ortsmittelpunkt entstehen.

 

 

2004

Im September 2004 übernimmt Georg Riedel aus Kufstein in Tirol zu 100% den Nachtmann-Konzern, zu dem auch die Spiegelauer Glashütte gehört.

Damit ist wieder einmal innerhalb geschichtlich kurzer Zeit ein Wechsel des „Glashüttenherrn“ erfolgt. Wie es mit der Spiegelauer Hütte und den Beschäftigten dort weitergeht, ist unklar.

 

 

2005

Im September 2005 verliert Spiegelau seine Hauptschule. Nur noch die Grundschüler verbleiben in Spiegelau. Die Hauptschüler besuchen zusammen mit den Hauptschülern von Neuschönau die Hauptschule in Riedlhütte. Dafür gehen die Riedlhütter Grundschüler nach Spiegelau in den Unterricht.

 

 

2006

Spiegelau bekommt einen “Naturfriedhof”. Im August beschließt der Gemeinderat, einen Teil des neuen Waldfriedhofs als “Naturfriedhof” einzurichten. Statt in Gräbern mit Steinmal und Einfassung sollen Tote dort unter einem Baum oder auf einem Stück Wiese die letzte Ruhe finden.

 

Im Juni gibt die Firma Riedel bekannt, dass nach dem bisherigen Stellenabbau nur noch etwa 60 Arbeitsplätze bei der Spiegelauer Glasfabrik auf erhalten werden. Zur besten Zeit unter Direktor Danzmann (Eigentümer war damals noch die Familie Pretzfelder) in den 50er Jahren hatte die Glasfabrik fast 700 Beschäftigte.

 

Im Dezember beschließt der Gemeinderat, den “alten Sportplatz”, den die Gemeinde 1931 zur “Förderung der Jugend” von Konrad Wilsdorf geschenkt bekommen hatte, an die Firma NETTO zur Errichtung eines Verbrauchermarkts zu verkaufen.

 

 

2007

Im März erhält Spiegelau überraschend ein Erbe in Form der “Dr. Ludwig- und Johanna-Stockbauer-Stiftung“. Der Zweck der Stiftung ist die Förderung der Jugend, der Kindergärten und des Sports und Hilfe für unschuldig in Not Geratene. Im Gegenzug ist die Gemeinde verpflichtet, den Namen des Stifters dauerhaft zu erhalten, sich um die Pflege des Familiengrabes im alten Spiegelauer Friedhof anzunehmen und die Verwaltung der Stiftung zu übernehmen.

 

Bei einer Betriebsversammlung im September kündigt Nachtmann-Vorstand Alois Kaufmann an, dass mindestens 20 Mitarbeiter ihren Hut nehmen müssen, die Mundglasfertigung eingestellt und statt dessen eine Schauglashütte am ruhmreichen Glasbläser-Standort Spiegelau entstehen wird. Der 12. (!) Eigentümer- bzw. Betreiberwechsel in 100 Jahren hat der Spiegelauer Glashütte kein Glück gebracht. Aber es ist auch nicht die erste Schließung der Hütte.

 

 

2008

Kommunalwahlen im März:

Josef Luksch wird trotz zweier Gegenkandidaten mit über 59% der Stimmen wieder zum Bürgermeister gewählt.

Die Gemeinderatswahl ergibt:

 

CSU

Kurt Zettl (1811 Stimmen)

Karlheinz Roth (1599 Stimmen)

Thomas Robl (883 Stimmen)

Günther Nama (847 Stimmen)

Alois Loibl (787 Stimmen)

 

SPD

Josef Apfelbacher (1831 Stimmen)

Elke Prosser-Greß (1596 Stimmen)

Georg Friedl (1210 Stimmen)

Erich Bachmann (1092 Stimmen)

Günter Schmid (930 Stimmen)

Kurt Hobelsberger (872 Stimmen)

Ernst Ertl (804 Stimmen)

 

Freie Wähler

Peter Hinterberger (1008 Stimmen)

Erhard Wawrzek (887 Stimmen)

Ludwig Schopf (846 Stimmen)

Josef Wanninger (810 Stimmen)

 

 

Im Juni 2008 steht fest: die Mundglasfertigung in der Spiegelauer Glasfabrik wird endgültig eingestellt. Auch eine Weiterführung als Schauglashütte findet nicht statt. Spiegelaus Geschichte als Glashüttenstandort ist damit zu Ende.

 

Am 6. Juni 2008 wird das neue Naturbad eröffnet. Die Wassertemperatur beträgt ca. 21 Grad. Es ist das erste Naturbad in der Region, bei dem ganz auf Chemie verzichtet wird und dessen Wasser über Solaranlagen gewärmt werden kann.

 

Am 9. August wird die neue generalsanierte Kläranlage eingeweiht. Das Projekt kostete 4,8 Millionen Euro. 

 

2011
Im März 2011 gibt der Kreistag grünes Licht für Finanzierung und Architekten-Entwürfe. Schon im April soll mit dem Bau des Technologie-anwenderzentrums Glas (TAZ) auf dem Gelände des ehemaligen Staatlichen Sägewerks in Spiegelau begonnen werden.
Siegfried Wilhelm als Geschäftsführer der Betriebs-GmbH TAZ Spiegelau informiert, dass der der Bau über die Auszahlung eines so genannten Gesellschafterdarlehens finanziert wird: Der Landkreis als Gesellschafter der GmbH stellt die benötigten Finanzmittel in Form eines Kredites zur Verfügung. Der Kapitaldienst für dieses Darlehen ist aus den jährlich zur Verfügung stehenden Eigenmitteln in Höhe von 600 000 Euro zu erbringen. Maximal 450 000 Euro davon trägt der Landkreis, 150 000 Euro die Gemeinde Spiegelau als zweiter Gesellschafter. Der Gemeinderat Spiegelau hat diesem Konstrukt bereits vor der Kreistagssitzung zugestimmt.

 

 

 

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